Jugendmedienschutz: Entscheidung in NRW? (2. Nachtrag)

Gerade schrieb ich noch, wie wichtig es sei, inbesondere in Berlin und NRW noch einmal ein vertrauensvolles Wort mit dem ein oder anderen Landtagsabgeordneten zu wechseln, da kommt Jens vom Pottblog mit einer wirklich unerfreulichen Nachricht. Sollte stimmen, was Jens schreibt, ist die Entscheidung in NRW gefallen:

Zu befürchten war es eigentlich schon seit längerem: Die Parlamentsfraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen, [...]  wollen dem umstrittenen Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) doch zustimmen. [...]

Zwar gibt es von der 5. Sitzung des Haupt- und Medienausschusses, in dem die Anhörung zum JMStV ausgewertet werden sollte, noch nicht einmal ein Protokoll auf der entsprechenden Landtagsseite, aber dennoch haben sich Vertreter der SPD und der Grünen bereits auf einen Entschließungsantrag geeinigt, der flankierend zur Zustimmung des JMStV in den Landtag eingebracht werden soll.

Damit evtl. tritt ein, worüber wir bereits am 18. September spekuliert hatten (Jens erklärt die Situation drüben etwas ausführlicher):

Schaut man sich die Machtverhältnisse im Bund an, ist NRW für dem Entwurf kritisch gegenüberstehende Berufsoptimisten nach wie vor eines von vielleicht 3 Ländern, das den Staatsvertrag noch scheitern lassen kann. Während Jens verhalten optimistisch ist (“Licht am Ende des Tunnels!”), dass dies tatsächlich passieren könnte, bin ich eher skeptisch (“Das ist ein Zug!”). Und das nicht nur, weil gestern in der Landtagsdebatte bereits das böse Wort “Entschließungsantrag” fiel. Entschließungsantrag bedeutet: Man winkt ein Gesetz durch und legt ein Schriftstück bei, dass man es eigentlich gar nicht wollte.

Und jetzt? Rauf auf’s Pferd und weiterkämpfen. Abgestimmt wird schließlich erst in 2 1/2 Wochen. Wenn wir schon keine Chance hatten, sollten wir sie wenigstens jetzt nutzen.

Nachtrag: Die NRW-Grünen haben die Entscheidung via Twitter bestätigt:

Wir sind weiterhin gegen den #JMStV, die Fraktion hat sich aufgrund parlamentarischer Zwänge anders entschlossen.

Nachtrag II: Der Entschließungantrag als PDF, Entwurfsfassung von gestern.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Campaigning, Deutschland, Informationstechnologie, Jugendschutz?, Zensur und getagged , , , . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Jörg-Olaf Schäfers, Netzpolitik.org.

27 Kommentare

  1. Erstellt am 29. November 2010 um 19:46 | Permanent-Link

    Ich hab es auch schon getwittert.
    http://www.youtube.com/watch?v=SRZ7C01mDRI

    Die Grünen sind nur noch widerlich.

  2. KrChris
    Erstellt am 29. November 2010 um 19:47 | Permanent-Link

    Ui.. na DAS is aber eine Überraschung..
    Fast so groß wie bei der Bahn im Winter immer die Überraschung kommt das es Kalt ist und ab und zu mal schneien könnte…
    Jetzt mal ernsthaft… irgendwer noch so verträumt gewesen und irgendwas anderes erwartet?
    Wenn ja – bitte weiterhin die Drogen für den Realitätsverlust konsumieren und weiter gehen..

  3. Erstellt am 29. November 2010 um 19:56 | Permanent-Link

    @KrChris: Natürlich musste man damit rechnen.

    Andererseits: Die fette Frau hat noch nicht gesungen, die Show ist also noch nicht vorbei.

    Und ja, natürlich ist es einfacher “es gleich gewusst” zu haben und erst gar nichts zu versuchen. Wir rennen hier lieber gegen Wände. Immer und immer wieder. Manchmal klappt es und es fällt eine um.

  4. Erstellt am 29. November 2010 um 20:04 | Permanent-Link

    “Wir sind weiterhin gegen den #JMStV, die Fraktion hat sich aufgrund parlamentarischer Zwänge anders entschlossen.”
    parlamentarischer Zwänge my ass…

  5. Jo
    Erstellt am 29. November 2010 um 20:05 | Permanent-Link

    “Wir sind dagegen, müssen aber dafür stimmen”. Hallo? Gewissensfreiheit? Mir wird schlecht.

  6. Ein Mensch
    Erstellt am 29. November 2010 um 20:45 | Permanent-Link

    Abwarten. Die Grünen waren doch immer für eine Überraschung gut. Schliesslich haben sich ganz viele – trotz offizieller Parteilinie gegen Zugangserschwerung – am Ende doch für die sinnlosen Sperren ausgesprochen.

    Vielleicht kommt es diesmal ja genau andersherum.

    Naja, träumen wird man doch dürfen.

  7. Hans
    Erstellt am 29. November 2010 um 20:55 | Permanent-Link

    Un-wähl-bar.

  8. Erstellt am 29. November 2010 um 21:39 | Permanent-Link

    @Ein Mensch: Die Nummer ist vermutlich anders gelaufen.

    Selbst _wenn_ ein paar Grüne (oder eben SPD-Abgeordnete) am 15./16.12. gegen den JMStV stimmen bzw. sich enthalten (wollen), reicht es nicht.

    In NRW hätten beide Koalitionpartner gegen den Staatsvertrag stimmen müssen. Im Prinzip wie jetzt wohl, nur andersherum.

    Bei einer freien Abstimmung hätten (Ausgehend davon, dass die CDU für den Staatsvertrag stimmt) nämlich die Stimmen von nur 24 weiteren Abgeordneten für eine Annahme des Staatsvertrags gereicht. Die hätte man vermutlich bei der SPD (ohne bindenden Fraktionsbeschluss) gefunden. Ein paar evtl. auch bei FDP und Grünen.

    Dadurch, dass nun im Vorfeld eine Einigung erzwungen wurde, ist die Vorgabe für die morgige Fraktionssitzung der NRW-SPD klar. Eine Fraktionsbeschluss _gegen_ den JMStV wurde quasi proaktiv verhindert. Es tatsächlich auf einen Fraktionsbeschluss ankommen zu lassen, war den JMStV-Befürwortern in der SPD evtl. zu riskant, inzwischen sind doch einige “Rebellen” auch namentlich bekannt.

    Wenn mir ein persönlicher Kommentar erlaubt ist: Par Ordre Du Mufti. Die Entscheidung ist SPD-seitig auf Bundesebene abgestimmt/entschieden worden, die Grünen haben sich gebückt. Aus parlamentarischen Gründen, natürlich.

    Respekt, Herr Staatsminister, sauberer Job ,)

  9. sumosu
    Erstellt am 29. November 2010 um 22:00 | Permanent-Link

    Wenigstens läuft die Mem-Maschine auf vollen Touren. “Zwänge” ist top trending Topic auf Twitter und eben hab ich noch den hier gefunden (v. @gigalinux):

    http://parlamentarische-zwaenge.de/

    • Erstellt am 30. November 2010 um 07:48 | Permanent-Link

      @sumosu Lustig, aber als Produkt eines SPD-Mitglieds doch eher unvorsichtiger Umgang mit Steinen im eigenen Gewächshaus…

  10. KinNeko
    Erstellt am 29. November 2010 um 22:36 | Permanent-Link

    Tja.. beim JMStV kann man ja als Grüner auch nicht wirklich DAGEGEN sein. Wo sollte man denn da die (Sitz-)blockaden machen?

  11. Erstellt am 30. November 2010 um 00:19 | Permanent-Link

    @KinNeko: Das Pornoportal der Telekom würde sich anbieten – Das wäre dann sogar fast sowas wie ein sinnvoller Einsatz für den Jugendschutz ,)

  12. HH-Wähler
    Erstellt am 30. November 2010 um 01:18 | Permanent-Link
  13. Erstellt am 30. November 2010 um 01:38 | Permanent-Link

    @HH-Wähler: Das dürfte ein Fake-Account sein (Schau mal auf Tweets & Follower). Die NRW-Grünen twittern untern https://twitter.com/#!/gruenenrw (Ohne Unterstriche)

  14. schomsko
    Erstellt am 30. November 2010 um 07:57 | Permanent-Link

    Na dann weiß ich ja was ich an einem Wahltag machen werde – ganz viele tolle Dinge aber wählen gehen: das ist bäh!

  15. tiegerzahn
    Erstellt am 30. November 2010 um 09:00 | Permanent-Link

    @schomsko: nicht wählen zu gehen ist keine Lösung. Jede nicht abgegebene Stimme kommt den Parteien zugute, die du nicht wählen wolltest!
    Zugegeben, es wird langsam dünn an wählbaren Parteien, aber es wird sich doch sicher was finden, mit dem man leben kann (im Zweifelsfall: die Autofahrer-Partei oder die PBC, har, har)

  16. _Flin_
    Erstellt am 30. November 2010 um 09:49 | Permanent-Link

    Parlamentarische Zwänge bedeutet so viel wie: Unsere Interessen sind wichtiger als Eure Interessen plus unsere Wahlversprechen.

    Und da deren Interessen meine Stimme ist, werde ich deren Interessen in Zukunft genauso ignorieren wie die das mit meinen tun.

    Keine Partei, die dafür sorgt, dass der JMSTV zustandekommt, wird von mir in absehbarer Zeit eine Stimme bekommen. Da wähl ich doch lieber die anarchistische Pogopartei, die hat wenigstens verstanden, wie unsere Demokratie offensichtlich funktioniert.

  17. Erstellt am 30. November 2010 um 10:14 | Permanent-Link

    @18 _Flin_ FULL ACK

    @Jörg-Olaf Schäfers Könntet ihr bitte bei nachträgen einen Zeitstempel zufügen. Würde die zeitliche Zuordnung sehr erleichtern.

    CU

  18. Joachim
    Erstellt am 30. November 2010 um 12:17 | Permanent-Link

    NRW Koalitionsvertrag zw. Grünen und SPD, S.80:

    “Wir wenden uns gegen jede digitale Bevormundung und gegen jede Form der Zensur.”

    Der Vertrag (PDF): http://bit.ly/d0vhes

  19. Das_Sterben_beginnt
    Erstellt am 30. November 2010 um 12:59 | Permanent-Link
  20. moep
    Erstellt am 30. November 2010 um 13:48 | Permanent-Link

    Die Grünen sind für Freiheit und Bürgerrechte, bis der Koalitionspartner “sitzt” sagt. Dass war in sieben Jahren rot-grüner Otto-Kataloge so, also warum sollte man jetzt davon überrascht sein?

  21. Kalevala
    Erstellt am 30. November 2010 um 15:09 | Permanent-Link

    Ich habe gerade mit den Grünen NRW telefoniert und tue das selbe auch mit der SPD das einzige was hilft ist den leuten telefonisch oder mit Fax druck machen insbesondere der SPD.

    Mit wurde am Telefon versichert das das ganze Thema nochmal am Montag bei der Fraktionssitzung auf den Tisch soll. Bis dahin möglichst viel anrufen nerven druck machen. Insbesondere bei der SPD da die Grünen sicherlich nicht die Koaltition über sowas platzen lassen werden

  22. Sören
    Erstellt am 30. November 2010 um 19:53 | Permanent-Link

    Gerade auf Abgeordnetenwatch gefunden:

    “Die Grüne Landtagsfraktion hat heute nach ausführlicher Debatte den Fraktionsvorstand gebeten, noch einmal Gespräche mit der SPD-Fraktion über den Jugendmedienschutzstaatsvertrag zu führen. Ziel der Gespräche soll sein, dass die Koalitionsfraktionen von SPD und Grünen dem Staatsvertrag im Landtag nicht zustimmen.”

    http://www.abgeordnetenwatch.de/oliver_keymis-231-40139–f271698.html#q271698

  23. gr#x
    Erstellt am 30. November 2010 um 20:01 | Permanent-Link

    Was ist eigentlich mit Brandenburg?!

  24. Silvie
    Erstellt am 30. November 2010 um 20:06 | Permanent-Link

    Nicht die Jugend muß geschützt werden, sondern das WWW vor der Jugend. Denn wer achtet nicht auf Datenschutz? Wer kennt seinen Browser nicht? Wer treibt sich auf miesen Seiten rum? Wer hat eine große Fresse, aber null Ahnung? Wessen Rechner sind denn die Virenschleudern im Netz? Wer jault immer in den Foren, Motto: Da blinkt was in der rechte Ecke. Was ist es? Ich habe gar nichts gemacht. (Nö, klar, Du bist sowieso die dümmste Sau, auch ohne, daß Du was machst.)

    Na??

    Dreimal dürft Ihr raten.

    Ich fordere ein neues Schulfach ab der fünften Klasse! Damit die Deppen, die sich für so cool halten, auch mal mitreden können.

  25. Erstellt am 1. Dezember 2010 um 10:18 | Permanent-Link

    Die Wende: Ein Ladenlokal für das Internet!http://jojoclub.blogsport.eu/

  26. Erstellt am 1. Dezember 2010 um 10:37 | Permanent-Link

    @gr#x: Berechtigte Frage. Mit Rot/Rot und fast ausgeglichenen Stimmanteilen potentiell ja durchaus spannend. Ich übersehe Brandenburg in meiner Tabelle immer. Keine Ahnung warum, ist keine böse Absicht.

8 Trackbacks

  1. [...] Gefunden bei netzpolitik.org [...]

  2. Von Wahlbetrug bei der Netzpolitik in NRW? am 30. November 2010 um 09:24

    [...] JMStV Entscheidung in NRW? – Netzpolitik.org [...]

  3. [...] (die Partei ganz ohne Rückgrat) stimmten sowieso dafür. In NRW werden SPD und Grüne das Teil aller Voraussicht nach ebenfalls durchwinken und wenn der Berliner Senat mit den Stimmen der Linken (natürlich nur aus Gründen der [...]

  4. Von Nics Bloghaus II am 30. November 2010 um 14:02

    Die Grünen und der Sturm der Entrüstung…

    Es ist mehr als nur Entrüstung… es ist vor allem die Enttäuschung darüber, dass sich nun auch die Grünen als das zeigen, was sie sind: eine etablierte, in den Politik-Betrieb integrierte Partei. Auf Rivva ist dieser empfundene…

  5. Von Sammelmappe » Blog Archive » Offline am 30. November 2010 um 18:31

    [...] Jugendmedienschutz: Entscheidung in NRW?netzpolitik.org [...]

  6. Von So What? « jojoclub am 4. Dezember 2010 um 12:41

    [...] gegriffen haben. Die glorreiche NRW-Regierung aus SPD und Grünen wird nicht mal das verhindern. „Parlamentarische Zwänge“ nennen das die Grünen. Aber jetzt will man ja noch mal [...]

  7. [...] der JMStV eine Gaga-Regelung ist, ist Frau Schillhaneck (anders als scheinbar ihren NRW-Kollegen) übrigens bewusst, denn sie verwendete selbst immer wieder Worte wie „sinnlos“, [...]

  8. [...] überrascht ist, dass der gemeinsame Entschließungsantrag von Rot-Grün auf der Tagesordnung fehlt: Der macht natürlich nur Sinn, wenn die Koalition sich [...]

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