Niederlande: Finanzministerium manipuliert angeblich Software-Ausschreibung

In den Niederlanden gibt es gerade reichlich Ärger um eine große Ausschreibung für Desktop-Software. Es geht um 21.000 Arbeitsplatzrechner und ca. 140 Millionen Euro.

Die Stiftung NLnet beschuldigt sieben (!) Ministerien, die Ausschreibung so manipuliert zu haben, daß Angebote über Freie Software keine Chance hatten. Damit wollten die Ministerien eine aufwändige Migration vermeiden. NLnet will entsprechende Dokumente durch eine Anfrage unter dem niederländischen Informationsfreiheitsgesetz erhalten haben.

In den Niederlanden gilt seit einiger Zeit eine Vorschrift, daß Behörden bei der Software-Beschaffung grundsätzlich Freie Software und offene Standards wählen muß. Entscheidungen für proprietäre Angebote müssen begründet werden, unter dem Motto “comply or explain why”.

Vor diesem Hintergrund, sagt NLnet, hat das Finanzministerium die Ausschreibung in mehrere Schritte aufgeteilt. Zuerst wurden Desktop-PCs und Software ausgeschrieben, die sich in die bestehende Microsoft-Infrastruktur einfügen sollten. Hier konnten nur Anbieter proprietärer Lösungen auf Erfolg hoffen.

Im nächsten Schritt kam dann die Ausschreibung für Backoffice-Software. Die sollte wiederum zu den neuen Desktop-PCs passen. Klar, daß auch hier nur Wiederverkäufer von Microsoft-Lizenzen das Rennen machen konnten.

Im August 2008 ging der Zuschlag schließlich an die Firma Getronics.

Wenn die Vorwürfe von NLnet stimmen, dann läuft das auf einen ersten – und gleich ziemlich massiven – Test für die “comply or explain why” – Regeln hinaus.

Inzwischen hat eine sozialistische Abgeordnete eine Anfrage im Parlament gestellt. Bin gespannt, was bei der Sache herauskommt.

[via]

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein, Freie Software, Offene Standards und getagged , . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Karsten Gerloff, Netzpolitik.org.

2 Kommentare

  1. Erstellt am 25. Februar 2009 um 21:10 | Permanent-Link

    “Zuerst wurden Desktop-PCs und Software ausgeschrieben, die sich in die bestehende Microsoft-Infrastruktur einfügen sollten. Hier konnten nur Anbieter proprietärer Lösungen auf Erfolg hoffen.”

    Gibt es im Text Informationen dazu, welche Software hier gemeint ist? Gibt ja manche Produkte, die sich gegenseitig vertragen (z.B. kann OpenOffice ja auch MS Office-Dateien lesen). Ich kann leider kein Niederländisch. Einzelne Wörter versteht man zwar, aber der Zusammenhang will mir nicht klar werden.

  2. Erstellt am 25. Februar 2009 um 22:06 | Permanent-Link

    Offenbar geht es u.a. um Windows Vista, Microsoft Office 2007, Citrix und Microsoft Softgrid. (s. http://nlnet.nl/goud/tijdlijn.html, auf Niederländisch)

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