Kampagne: Hol dir deine Daten zurück!

Unter dem Titel “Nimm dir dein Recht im Europa der Polizeien, hol dir deine Daten zurück!” startete gestern eine europaweite Kampagne zu Auskunftsersuchen in europäischen Datenbanken:

Europäische InnenministerInnen fordern angesichts einer „immensen Datenflut“ mehr Kompetenzen und die technischen Voraussetzungen zur Nutzbarmachung dieses „Daten-Tsunami“ für die Polizeibehörden. „Datamining“-Software soll die Auswertung der Datenbestände vereinfachen und „Entscheidungshilfen“ geben. Personen-, Sach- und Beziehungsdaten werden von Computern prozessiert, die „Risiken“ frühzeitig erkennen und etwaige Straftaten „vorhersehen“ sollen.

Die Kampagne richtet sich u.a. gegen das Stockholmer Programm, das nächste Fünf-Jahresprogramm der EU zur Inneren Sicherheit, das Anfang Dezember verabschiedet werden soll. Dem Vorgänger Haager Programm haben wir u.a. die Vorratsdatenspeicherung sowie biometrische Daten in Personaldokumenten zu verdanken. Außerdem werden sämtliche digitalen Datenbanken der EU thematisiert, die nach dem Stockholmer Programm weiter “interoperabel” werden sollen.

Als Antwort auf diese Entwicklungen ruft die Kampagne auf, von seinen Grundrechten Gebrauch zu machen, um etwas Licht in den Datenbank-Dschungel zu bringen:

Wer also wissen will, was die Polizei über sie oder ihn zu wissen glaubt, und wer sie damit beschäftigt sehen möchte, Auskunft über die Speicherungen ihrer bzw. seiner Daten in ihren Datenbanken zu geben, dem empfehlen wir, sogenannte Auskunftsersuchen zu stellen. Die Antworten werden Hinweise über das Ausmaß des polizeilichen Zugriffs auf die Bevölkerung geben und können Ausgangspunkt für individuelle Anträge auf Löschung und politischen Widerspruch sein.

Unterstützer der Kampagne sind derzeit 28 Organisationen aus ganz Europa, u.a. Statewatch, Privacy International, Humanistische Union, FIfF, Internationale Liga für Menschenrechte, RAV, AK Vorrat und netzpolitik.org.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein, Campaigning, Datenschutz, EU und getagged , , , , , , , , , . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Andre Meister, Netzpolitik.org.

7 Kommentare

  1. Markus
    Erstellt am 2. Oktober 2009 um 18:39 | Permanent-Link

    Nett, werde ich mir mal näher ansehen. Leider sind die Jungs bei datenschmutz.de wohl nciht auf den (zu erwartenden) Ansturm vorbereitet. NARF.

    PS: captcha NERVT.

  2. Kiffer
    Erstellt am 3. Oktober 2009 um 01:56 | Permanent-Link

    Danke für die gute Information.
    Bin schon sehr gespannt, was Vater Staat über mich gespeichert hat.
    Nach dem ich vor einigen Jahren eine Protestaktion im Netz gestartet habe, musste ich ein erkennungsdienstliches Verfahren über mich ergehen lassen. (http://www.haschladen.de)
    Bei der letzten, “allgemeinen Verkehrskontrolle” wurde mein komplettes Auto durchsucht.
    Ich hoffe das viele mitmachen und ich somit nicht in den Fokus der Behörden gerate. :-)

  3. vera
    Erstellt am 3. Oktober 2009 um 03:39 | Permanent-Link

    tolle idee, ich mach schon werbung und natürlich auch mit. habt ihr vor, die ergebnisse verfügbar zu machen oder einen ergebnisrücklauf / eine stoffsammlung dazu aufzumachen? fände ich ‘ne gute idee. abfrage und auswertung via polldaddy; drei bis fünf punkte würden ja als rückmeldung reichen, z.b. ‘man wusste viel / wenig / gar nichts über mich’.

  4. Erstellt am 3. Oktober 2009 um 10:20 | Permanent-Link

    >>die „Risiken“ frühzeitig erkennen und etwaige Straftaten „vorhersehen“ sollen.<<
    Bald kommt der Minority Report. ;)

  5. Erstellt am 4. Oktober 2009 um 08:36 | Permanent-Link

    Der noch etwas unbestimmt definierte Begriff „Datamining“ wird in naher Zukunft Realität sein. Wie weit die Planungen und evtl. Anwendungsgebiete sind, zeigt das EU-Projekt Indect.

    Mehr zum Thema unter:

    http://zwischenzeit.de/blog/2009/09/29/bitte-immer-unauffallig-verhalten/

  6. Andy
    Erstellt am 4. Oktober 2009 um 16:26 | Permanent-Link

    Info, steht auch auf der Website, aber übersieht man leicht, ist nämlich nicht mit Fußnote versehen beim Generator: Hab vor ein paar Wochen Ersuche gestellt und dabei festgestellt, dass das BKA grundsätzlich beglaubigte Kopien vom Perso haben will, also am besten gleich mitschicken, spart man eine Briefmarke.

  7. vera
    Erstellt am 4. Oktober 2009 um 17:34 | Permanent-Link

    eben fällt mir ein: wenn vater staat (aaah – dieser euphemismus…) meine daten wozu auch immer braucht, kann er doch sicher in recht kurzer zeit auf eine hübsche, vorformatierte sammlung zurückgreifen. wieso muss ich als eigentümer der daten dann bei n verschiedenen ämtern anträge stellen und längere wartezeiten in kauf nehmen?

    captcha snubbed rocket ,)

14 Trackbacks

  1. Von Meine 2 Cent für 2009-09-10 | electru.de am 2. Oktober 2009 um 19:26

    [...] Kampagne: Hol dir deine Daten zurück! Nimm dir dein Recht im Europa der Polizeien, hol dir deine Daten zurück! [...]

  2. [...] Netzpolitik.org habe ich gerade etwas von einer neuen Kampagne gelesen. In der geht es darum, das am besten jeder ein Auskunftsersuchen stellt. Zum einen um zu [...]

  3. Von Spurensicherung — bluelectric.org am 2. Oktober 2009 um 23:01

    [...] Shared Kampagne: Hol dir deine Daten zurück!. [...]

  4. Von Tagesrückblick 02.10.2009 « Sikks Weblog am 2. Oktober 2009 um 23:49

    [...] als kurzfilme unter CC-Lizenz verfilmt und veröffentlicht wird. 2009-10-02: Datenschutz EU Kampagne: Hol dir deine Daten zurück! : netzpolitik.org Gestern wurde eine Kampagne gestartet mit dem Titel „Hol dir deine Daten zurück!“, in [...]

  5. Von Lesenswerte Links V « DarkISI-Blog am 3. Oktober 2009 um 08:48

    [...] Hol dir deine Daten zurück [...]

  6. Von Auf die Augen « Auf die Augen am 3. Oktober 2009 um 11:42
  7. [...] Neue Kampagne gestartet: Hol dir deine Daten zurück! http://www.netzpolitik.org/2009/kampagne-hol-dir-deine-daten-zurueck/ [...]

  8. [...] “Unter dem Titel ‘Nimm dir dein Recht im Europa der Polizeien, hol dir deine Daten zurück!’ startete gestern eine europaweite Kampagne zu Auskunftsersuchen in europäischen Datenbanken. Die Kampagne richtet sich u.a. gegen das Stockholmer Programm, das nächste Fünf-Jahresprogramm der EU zur Inneren Sicherheit, das Anfang Dezember verabschiedet werden soll. Dem Vorgänger Haager Programm haben wir u.a. die Vorratsdatenspeicherung sowie biometrische Daten in Personaldokumenten zu verdanken. Außerdem werden sämtliche digitalen Datenbanken der EU thematisiert, die nach dem Stockholmer Programm weiter ‘interoperabel’ werden sollen.” mehr dazu hier. [...]

  9. [...] Oktober 2009 von opalkatze Markus berichtet auf netzpolitik.org von der europaweiten Aktion Hol dir deine Daten zurück. Eine richtig wichtige Aktion, finde ich. [...]

  10. Von Hol dir deine Daten zurück! – Thomas Ney am 4. Oktober 2009 um 15:15

    [...] Netzpolitik.org) Stichworte: Auskunft, Datenschutz Du kannst einen Kommentar hinterlassen, oder einen Trackback [...]

  11. Von Links for 2009-10-05 | HaiFive am 5. Oktober 2009 um 06:01

    [...] Kampagne: Hol dir deine Daten zurück! [...]

  12. [...] Quelle: Netzpolitik Von Sensei, 5. Oktober 2009, 18:40 Uhr Kommentieren [...]

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