Die Politik entdeckt “die Internet-Community”

Die Taz berichtet über uns: “Entdeckung der Internet-Community: Die Ureinwohner wehren sich“.

Die CDU hat ihn entdeckt, die SPD auch, die Berliner Morgenpost schreibt darüber, die FAZ und ja, ab und an auch die taz – über den fremdartigen Stamm namens Internet-Community, von Hobbyetymologen schon zur Netzgemeinde eingedeutscht. Gemeinde erinnert ein bisschen an evangelikale Bibelschüler. Allerdings klingt das meist so, als würde da eine Horde junger, verspielter, freiheitsliebender, aber auch ein wenig beschränkter Tarzans durchs Geäst des digitalen Dschungels hüpfen. Vor allem aber macht es klar: Hier stehen wir, und dort sind die Fremden – hinter dem Computerbildschirm beginnt ein possierliches Barbaricum.

Das kenne ich nur zu gut: Die Verwendung des Wortes “Internet-Community” durch Politiker mit denen ich spreche, hat immer einen etwas komischen Klang. Man denkt dann immer, die halten “die Internet-Community” für so eine Art Gewerkschaft und man selbst ist für sie sowas wie ein Sprecher dieser “Community”. Es ist dann immer schwierig, diesen zu erklären, dass es sich um Menschen handelt, die ähnlich wie unsere Gesellschaft äussert vielfältig und wenig organisiert sind. Und das wir (in der Regel) nicht beißen.

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8 Kommentare

  1. Felix
    Erstellt am 7. Juli 2009 um 17:14 | Permanent-Link

    Das mit dem “nicht beissen” könnte sich ändern, wenn unsere Politiker weiter so hirnverbrannte Politik im Bezug auf “das Internet” machen…

  2. Florian
    Erstellt am 7. Juli 2009 um 22:34 | Permanent-Link

    Aus dem aktuellen Spiegel dazu ein passendes Zitat über die SPD:

    “Wahlkampfchef Kajo Wasserhövel und Generalsekretär Hubertus Heil sind sauer auf Fraktionschef Struck, weil der gemeinsam mit der Union das Gesetz gegen Kinderpornographie im Internet durchgesetzt hat. Mit Sorge sehen Wasserhövel und Heil, dass die SPD deshalb bei Internet-affinen Jungwählern in die Kritik geraten ist. Mitglieder der Internet-Gemeinde sehen in dem Gesetz einen Angriff auf die Meinungsfreiheit im Netz.”

    Abgesehen davon, dass der Spiegel hier eine bemerkenswerte Unkenntnis über Zensursula an den Tag legt und suggeriert, die “Internet-Community” sei gegen ein Gesetz gegen Kinderpornographie (statt nur gegen das Sperren derselben), erinnert die Formulierung “Mitglieder der Internet-Gemeinde” doch schwer an eine Art Verein oder Sekte. Muss gleich mal schauen, ob ich meinen Mitgliedsausweis noch habe…

  3. Garonne
    Erstellt am 7. Juli 2009 um 23:23 | Permanent-Link

    Verdammt. Das mit dem “nicht beissen” wollte ich auch sagen. Glaube nicht, das die Politiker sich da noch lange drauf verlassen sollten.

    Wenn man lange genug auf einen Hund einprügelt, dann fängt auch der zahmste Hund irgendwann an zu beissen. Langsam haben die Politiker genug auf uns eingeprügelt, oder?

  4. Erstellt am 8. Juli 2009 um 11:42 | Permanent-Link

    Jedoch denkt die “Internet-Community” manchmal sehr konform: 6 Antworten und in wenigstens 2 steht ähnliches, was ich zu virtuellem Papier bringen wollte:

    “Oh wohl, und wie wir beißen können!”

  5. DeMaddin
    Erstellt am 8. Juli 2009 um 12:13 | Permanent-Link

    @Garonne: Ich denke, mit der ePetition zu den Netzsperren haben wir schon mindestens heftig geknurrt, wenn nicht gar geschnappt. Es kann also keine(r) dieser Herrschaften sage, sie/er wäre nicht gewarnt!

  6. anwin
    Erstellt am 8. Juli 2009 um 16:32 | Permanent-Link

    lustig auch in diesem zusammenhang:

    http://www.youtube.com/watch?v=Ao6LttfuTP4

    zensursula will sich mit “unserer sprecherin” franziska heine treffen / unterhalten.
    ich kann mich nicht erinnern, dass wir, die “internetcommunity”, irgendwen als sprecher benannt haben. wer ist denn dann unser präsident? und kassierer, schriftführer? in welchem vereins- oder handelsregister ist diese organisation denn eingetragen?

    dass es viele individuen mit gleichem ansinnen gibt, die sich nicht direkt in einer partei oder einem verein organisieren, geht den grauen damen und herren mit kugelschreibern scheinbar auch nicht in den kopf.

  7. justin
    Erstellt am 8. Juli 2009 um 21:16 | Permanent-Link

    naja immerhin vereinigt man sich unter gewissen natzpolitischen ansichten. und von daher kann man schon als gemeinschaft/community/gemeinde bezeichnet werden.
    vielleicht gehts ja auch mal wieder darum, alles politische außer der piraten-partei als lächerlich, beschränkt und altmodisch abzutun. aber wehe jemand bezeichnet euch als computer-nerds.

    msg
    justin

  8. Erstellt am 9. Juli 2009 um 12:50 | Permanent-Link

    hmm.. da zeigt sich eines der probleme der damen und herren in berlin…

    sie glauben sie hätten es mit einer breiten front zu tun, mit einem organisierten gegner. eben einer anderen partei.

    tja… dumm nur das die meisten user sich überhaupt nicht organisieren wollen….sie sind einfach nur STINK SAUER auf diese lernresistent Menschen im Bundestag …

    Wie man mit Menschen umgeht die STINK SAUER sind….kann man lernen…jeder Callcenteragent kann das… ach was reg ich mich auf… hat ja eh keinen zweck ..

6 Trackbacks

  1. Von Meine Soup am 7. Juli 2009 um 19:48

    Die Politik entdeckt “die Internet-Community” : netzpolitik.org…

  2. [...] 07.07.2009: bei Netzpolitik sieht man das wohl ähnlich. [...]

  3. [...] Die Politik entdeckt “die Internet-Community” [...]

  4. [...] wäre übrigens wieder “Die Internet-Community”TM. abgelegt in: Deutschland, Digital Rightsgetaggt mit: Deutschland > kinderpornographie > [...]

  5. Von Yeah, right… » Auwei am 10. Juli 2009 um 09:55

    [...] finde ich im Vergleich den Anspruch der Piraten noch eher bescheiden. Aber das nur so am Rande. Zur “Internet-Community” wurde auch an anderer Stelle schon was gesagt. Das Internet ist kein rechtsfreier [...]

  6. Von Jahresrückblick 2009 : netzpolitik.org am 22. Dezember 2009 um 15:32

    [...] Die Taz berichtet “Entdeckung der Internet-Community: Die Ureinwohner wehren sich“. [...]

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