Der NDR lässt bluten

Es ist gerade einmal eine Woche her, da prangerten Journalisten des NDR an, dass Daimler Bluttests von Bewerbern verlangt. Jetzt berichtet die taz, dass der Sender genau die gleiche Praxis verfolgt:

Der NDR bestätigte, dass allen Bewerbern, die einen Arbeitsvertrag erhalten sollen, Blut abgenommen werde. “Der Betriebsarzt teilt dem NDR lediglich mit, ob ein Bewerber für die vorgesehene Tätigkeit geeignet ist oder nicht”, sagte Pressesprecher Martin Gartzke. Die Einzelheiten der Diagnose würde der Arzt nicht weitergeben.

Datenschützer und Arbeitsrechtler kritisieren die Maßnahme bereits. Es handele sich um einen Verstoß gegen das Datenschutzrecht. Dort sei geregelt, dass Arbeitgeber nur die “erforderlichen” Daten erheben dürften. Auf die Frage, welche “erforderlichen” Informationen aus den Bluttests gewonnen werden können, heißt es beim NDR, die Blutwerte lieferten Anhaltspunkte, ob der jeweilige Beschäftigte “die vorgesehene Wochenarbeitszeit wird bewältigen können”.

Auf diese Weise lassen sich allerdings auch noch andere Informationen erlangen. So könnte der Sender Hinweise auf eine Schwangerschaft erhalten, die er rechtlich gar nicht erfragen darf.

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26 Kommentare

  1. Ullrich
    Erstellt am 4. November 2009 um 17:04 | Permanent-Link

    Öffentlich Wasser predigen und heimlich Wein trinken?

  2. Erstellt am 4. November 2009 um 17:07 | Permanent-Link

    Normalerweise müsste man den Spruch mit dem Glashaus anbringen…

    Aber andererseits: Gut für die Sache, daß dieser Spruch nicht befolgt wurde!

    Allerdings dürften die Autoren des Daimler-Artikels nun Ärger bekommen. (Nein, natürlich kriegen nicht die Leute die Verantwortlich sind für die Blutentnahme den Ärger. Weder der Personalrat, noch der Datenschutzbeauftagte werden irgendeine Verantwortung bei sich sehen. Aber Schuld tragen die Autoren, das es raus kam…)

  3. Erstellt am 4. November 2009 um 17:07 | Permanent-Link

    Mich würde ja interessieren, ob sich “Zapp” diesem Thema annimmt …

  4. Anonymous
    Erstellt am 4. November 2009 um 17:09 | Permanent-Link

    hm… Hoffentlich betrifft das auch nicht die Extra3 Rubrik.

  5. Gotan
    Erstellt am 4. November 2009 um 17:09 | Permanent-Link

    Soweit ist also schon? DNA-Proben für GEZ-Gebühren.

  6. Tim
    Erstellt am 4. November 2009 um 17:23 | Permanent-Link

    Als ich bei einer Berufsgenossenschaft gearbeitet habe musste ich auch beim Betriebsrat Urin abgeben… ärgert mich auch eigentlich.

  7. Erstellt am 4. November 2009 um 17:23 | Permanent-Link

    Meine Güte. Ich würde mich nicht wundern, wenn netzpolitik.org irgendwann zufällig mal dicht gemacht wird. Was hier alles berichtet und zusammengetragen wird, muss doch den Kapitalisten irgendwann weh tun.

  8. Olli
    Erstellt am 4. November 2009 um 17:45 | Permanent-Link

    Gibt es für soetwas nicht ein Gesundheitszeugnis, dass man von einem Allgemeinarzt austellen lassen kann?! Wieso immer die ganze Keule

  9. cia
    Erstellt am 4. November 2009 um 18:00 | Permanent-Link

    Na vllt. kann man die gesammelten daten mal irgendwann mit den google suchanfragen* abgleichen und damit vorhersagen wie sich der kokainkonsum in den nächsten wochen entwickelt, damit die cia (cocain import agancy) den bedarf besser kalkulieren und für nachschub sorgen kann ;~)

    * http://www.google.org/flutrends/intl/de/de/

  10. maag der handgeknuepfte
    Erstellt am 4. November 2009 um 18:10 | Permanent-Link

    ..wer am wochenende techno getanzt hat, baut evtl krumme kisten

  11. Android
    Erstellt am 4. November 2009 um 18:13 | Permanent-Link

    Das mit der Blutentnahme beim Einstellungs-Test ist doch ein wirklich alter Hut. Die Bahn tut es, Chemie-Unternehmen tun es, wahrscheinlich noch viel mehr.
    Der untersuchende Arzt ist zwar an die Schweigepflicht gebunden, findet er aber z.B. Rückstände von Drogen, so geht der Daumen nach unten und der/die Bewerber/in ist raus.
    Klar kann man sich über solche Praktiken aufregen, aber warum erst jetzt?

  12. Brausetabs
    Erstellt am 4. November 2009 um 18:25 | Permanent-Link

    Zitat: “Soweit ist also schon? DNA-Proben für GEZ-Gebühren.” @ Gotan

    Sehe ich auch so. Nur hat die GEZ doch schon mehr als genug Daten illegal gesammelt.

    Bin mal gespannt, wann der erste Wohnungsmakler seinen Kunden Blut abnimmt, damit auch ja kein Ungeziefer einzieht. Einfach nur krank dieser Staat.

    Ich hoffe, diese Webseite berichtet noch viel öfter über dieses Thema.

  13. theo_testperson
    Erstellt am 4. November 2009 um 19:39 | Permanent-Link

    das mit den bluttest beim der betriebsärztlichen untersuchung ist aber nicht nur beim ndr so.
    auch der swr nimmt blutproben, es finden aber [verm. aus kostengründen] keine drogentests statt. ich kann den arbeitgeber aber auch irgendwie verstehen. ich würde ja auch nicht umbedingt jemanden ausbilden der dann ein jahr später mit irgendwelchen erbkrankheiten wieder ausfällt

  14. kkaddi
    Erstellt am 4. November 2009 um 19:45 | Permanent-Link

    Soweit ist also schon? DNA-Proben für GEZ-Gebühren.hm… Hoffentlich betrifft das auch nicht die Extra3 Rubrik.Mich würde ja interessieren, ob sich “Zapp” diesem Thema annimmt … das wäre sehr wichtig für uns Bürger über solche Dinge berichtet werden, da es ja noch einige Bürger gibt sich nicht im Internet Infomieren können ,da sie keinen Pc besitzen .

  15. Gotan
    Erstellt am 4. November 2009 um 20:36 | Permanent-Link

    Ich als Biologie-Student und Pirat kann bei diesem Gedanken nur erschaudern. Die Industrie hat versprochen, DNA-Sequenzierer schon nächstes Jahr für unter 1000 euro erschwinglich zu machen.
    Mögliche Konsequenzen für die Gesellschaft, oder besser die menschliche Existenz wurden, nun in vielen Filmen etc. thematisiert, z.B. Gattaca.
    Aber dennoch gibt es immer wieder “Pioniere”, die meinen, für ihren vermeintlichen Profitgewinn durch “tüchtige Arbeiter” auf alles zu pfeifen. Doch diese Ignoranz wird auf sie zurückfallen. Denn im nächsten Schritt sind nicht mehr sie die DNA-Kontrolleure, sondern genauso Objekte für andere Firmen, Krankenkassen etc.
    Schade nur, dass es diese Leute anscheinend selbst erleben müssen.

  16. brain
    Erstellt am 4. November 2009 um 23:36 | Permanent-Link

    Ich muss mich Android anschließen. Natürlich halte ich das für nicht vertretbar, aber auch ich musste vor meiner Anstellung im öffentlichen Dienst zu einem Betriebsarzt. Dort wurde Blut und Urin genommen, nach was dort getestet wurde und was gefunden wurde ist mir nicht bekannt. Ich hatte den Eindruck dies sei “normal” und nicht derart skandalös.

  17. Vit
    Erstellt am 5. November 2009 um 00:45 | Permanent-Link

    OT (obwohl das Thema sehr interessant ist):

    Vielleicht ist es ein Running Gag, vielleicht nicht, aber mir ist gerade aufgefallen, dass im rechten “News”-Navigationsbereich die Rubrik “Letze Artikel” heißt und nicht “Letzte”, wie es sein müsste.

    Say hello to the grammar nazi! ;)

  18. kasor
    Erstellt am 5. November 2009 um 00:55 | Permanent-Link

    @17: skandalös ist es auch da es schon so normal zu sein scheint

  19. frankAb
    Erstellt am 5. November 2009 um 13:45 | Permanent-Link

    Ich verstehe nicht, was es bringen soll.
    Wenn jemand nicht entsprechend arbeitet, ist das ein Kündigungsgrund. Was ich in meiner Freizeit mache und wie ich mich geben ist vollkommen irrelevant – es sei denn meine Position verlangt es von mir.
    Ich halte die Vorgehensweise von den Unternehmen für eine Möglichkeit aus dubiosen Gründen jemanden abzulehnen.

  20. Manuel
    Erstellt am 5. November 2009 um 15:55 | Permanent-Link

    der NDR geht eindeutig zu weit, wenn jemand in seiner Freizeit einen Joint raucht, und vielleicht ein paar Bierchen drinkt, geht das den Arbeitgeber nichts an.

    Ich hab mir zwar auch mal Blut bei meinem Arbeitnehmer abnehmen lassen, hierbei ging es aber um Gesundheitsvorsorge, da ich mit infektiösen Viren in einem Labor zu tun hatte, also ein ganz anderen Arbeitsbereich.

  21. Manuel
    Erstellt am 5. November 2009 um 15:56 | Permanent-Link

    meinte Arbeitgeber ;)

  22. FrankN.Stein
    Erstellt am 5. November 2009 um 16:03 | Permanent-Link

    irgendwoher hatten die journalisten ja die idee für die blut-teststory, nicht wahr? vielleicht hat sogar jemand gehofft, wenn die sache bei daimler genug ärger einbringt guckt auch jemand dem eigenen arbeitgeber über die schulter, ohne dass man es selber machen muss.
    “ob die Angestellten die arbeitszeiten bewältigen können?” heisst das wer positiv auf koks getestet wird wird wegen gesteigerter leistungsfähigkeit eingesetellt? oder kann man heutzutage schon stressresitenz und ausdauer im großen blutbild erkennen?

  23. Manuel
    Erstellt am 6. November 2009 um 06:43 | Permanent-Link

    Nur gut das ich mein eigener Arbeitgeber bin ;) mir tun ehrlich gesagt die kleinen Angestellten leid, die sich dazu erpressen lassen, nur um einen Job zu bekommen. Wenn sich schon der Bluttest durchsetzt, dann sollte man zuerst alle Manager testen, ob sie was geschnupft haben ;) Das würde sicherlich die Aktionären interessieren, denn wer investiert schon gerne in ein Unternehmen, das von drogenabhängigen Managern geführt wird.

    Mich würde mal interessieren, wer vom NDR auf diese abstruse Idee gekommen ist, sicherlich wieder so ein Wasserkopf äh Manager, der sonst nichts besseres zu tun hatte, Na Bravo ;)

  24. Erstellt am 6. November 2009 um 20:28 | Permanent-Link

    Was heißt schon “Bluttest”? Weiß jemand, was genau untersucht wird: Blutsenkung, Leukozyten, Leberwerte, Cholesterin, Borreliose oder andere Bakterien, TSH, Harnsäure, und, und und…?
    Anrüchig ist es m.E. auf jeden Fall.

  25. Michael
    Erstellt am 7. November 2009 um 12:07 | Permanent-Link

    wer zahlt eigentlich die Bluttests. Genau die lieben GEZ Zahler, schonmal daran gedacht ;)

  26. fifilein
    Erstellt am 7. November 2009 um 19:41 | Permanent-Link

    Für sensible Naturen könnte dies ja wohl ein Grund sein, diesen dreckigen Sender abzufackeln.

5 Trackbacks

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  2. Von đª]V[ªX » Wasser predigen, Blut trinken am 5. November 2009 um 08:21

    [...] netzpolitik) Lesezeichen gefällig? Bedien' [...]

  3. Von Krasse News am 5. November 2009 um 11:31

    Bewerbung beim NDR? Nicht ohne Bluttest!…

    Wer eine Bewerbung zum NDR ansendet muss sich im Klaren sein, dass ein Bluttest Teil des Bewerbungsverfahrens sein kann. Was soll das bringen?
    Arbeiten beim NDR nur nach Bluttest?
    Laut der TAZ bestätigte der NDR, dass es während des Verfahren…

  4. Von Datenschutzwochen - CJuergens.de am 6. November 2009 um 19:19

    [...] wie Daimler, Beiersdorf, Merck und dem NDR nehmen standardmäßig Blutproben von aussichtsreichen Bewerbern. Offiziell soll so [...]

  5. Von Jahresrückblick 2009 : netzpolitik.org am 22. Dezember 2009 um 16:11

    [...] Es ist gerade einmal eine Woche her, da prangerten Journalisten des NDR an, dass Daimler Bluttests von Bewerbern verlangt. Jetzt berichtet die taz, dass der Sender genau die gleiche Praxis verfolgt. [...]

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