Bundesnetzagentur plant gemeinsamen Bestandsdatenpool aller TK-Anbieter

Bei Wikileaks gibt es wieder ein interessantes Dokument zu finden: Bundesnetzagentur plant gemeinsamen Bestandsdatenpool aller TK-Anbieter.

Die vorliegende PDF Datei wurde innerhalb der deutschen Internetwirtschaft zirkuliert.
Die Bundesnetzagentur (BNetzA) laedt deutsche Telekommunikationsanbieter fuer den 5. November 2009 zu einem Termin nach Mainz ein. Dort soll der Wunsch diskutiert werden, einen Bestandsdatenpool aller deutschen TK-Anbieter aufbauen, um entsprechende Abfragen gemaess Paragraph 112 TKG zu vereinfachen. In einem solchen Datenpool waeren also die Daten aller Telefon-, Handy-, DSL- und E-Mail-Kunden in Deutschland versammelt. Vor dem Hintergrund des Datenschutzes erscheint eine solche Datensammlung aeusserst bedenklich. Das Dokument ist das Einladungsschreiben der BNetzA zu dem Termin, das Ende September versendet wurde. Provider vermuten, dass als Speicherstelle das Bundesverwaltungsamt erwogen wird.

Hier ist das PDF.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Datenschutz, Deutschland, Digital Rights und getagged , , , , . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Markus Beckedahl, Netzpolitik.org.

12 Kommentare

  1. df
    Erstellt am 4. November 2009 um 19:59 | Permanent-Link

    Mal eine Frage… Warum verlinkst du auf Wikileaks, machst du dich dann nicht auch für den nicht immer legalen Inhalt dort verantwortlich? Wie sicherst du dich somit rechtlich ab?

    • markus
      Erstellt am 4. November 2009 um 22:28 | Permanent-Link

      @df: Was soll daran rechtlich problematisch sein? Bei solchen Sachen würde ich es auf einen Rechtsstreit ankommen lassen. Das linken zu relevanten Originalquellen sollte möglich sein.

  2. catdog2
    Erstellt am 4. November 2009 um 20:04 | Permanent-Link

    Beim Bundesverwaltungsamt ist auch die Bundesabhörzentrale angesiedelt, is ja klar, dass die das da haben wollen…

  3. heute_mal_nicht_der_echte_nick
    Erstellt am 4. November 2009 um 20:33 | Permanent-Link

    Ich würde mir echt mal den Spaß machen und die Daten der Topmanager, Datenverlierer und auch der entsprechenden Politiker besorgen. Diese dann mit weiteren Details aus öffentlichen Informationen anreichern und einfach auch mal verlieren. Mich würde dann einfach mal interessieren, was dann passiert und wie schnell das geht.

    Ich habe so das Gefühl, dass Datenschutz keinen hohen Stellenwert in Deutschland hat. So schön irgendwelche Datenbanken für die Strafverfolgung usw. sind so schädlich sind sie auch für die Freiheitlich Demokratische Grundordnung in Deutschland. Manchmal muss man sich echt fragen von wem mehr Bedrohungen ausgehen; von Terroristen und Kriminellen oder von unfähigen Leuten in Führungspositionen.

    Bei dem ganzen Identitätenwirrwar würde es sicher auch nicht auffallen, wenn man neue Identitäten erzeugt und mit Daten anreichert. Dann noch Hartz IV Antrag stellen und ein Zusatzgehalt einstreichen.

  4. benzinerwin
    Erstellt am 4. November 2009 um 20:55 | Permanent-Link

    Die Zentralisierung ist äußerst verlockend für Staat/Ermittler usw. Das Schreiben lässt es schon vermuten – es geht im Grunde um eine ordentlich Rasterung aller Daten. Es ist ja auch viel einfacher, das private Echelon anzuschmeißen und gleich den gesamten Datenpool nach Schlüsselkriterien zu durchsuchen, als sich erst die Mühe zu machen und irgendeinen Provider an irgendeinem Ort auszumachen.

    Außerdem lässt sich noch mehr Schindluder damit treiben. Ich meine, wenn die Polizei es schon ok findet, rechtswidrige Protokolle aufzubewahren, statt sie – wie es das Gesetz vorschreibt – sie zu vernichten, kann sich denken, wie groß die Hemmschwelle ist, dass es in solch einem Schmuddelamt ohne wirkliche Aufsicht mit rechten Dingen zugeht.

  5. Michael
    Erstellt am 4. November 2009 um 22:41 | Permanent-Link

    Köln ist echt gut, da ist noch nicht mal das Stadtarchiv sicher… *lol*

  6. Ein Mensch
    Erstellt am 4. November 2009 um 23:40 | Permanent-Link

    Wir brauchen endlich Gesetze, die solche Datensammlungen ausdrücklich verbieten.

  7. Tharben
    Erstellt am 5. November 2009 um 12:50 | Permanent-Link

    Hoffentlich bauen die in Köln neben dem Bundesverwaltungsamt einen U-Bahnschacht.

    Der Tenor des Schreibens ist auch schön: das wäre doch echt praktisch. Was für ein Zufall: an das Bundesverwaltungsamt ist auch die Bundesabhörzentrale angeschlossen.

    Diesen Menschen scheint jedes Mittel recht zu sein. Mir wird ganz schlecht.

  8. Erstellt am 5. November 2009 um 15:06 | Permanent-Link

    #7: Wir brauchen keine neuen Gesetze.

    Was nutzt die Straßenverkehrsordnung, wenn jemand trotzdem mit 90 km/h durch die Spielstraße rast?

    Wir brauchen Leute, die unsere Daten schützen KÖNNEN.

    Diese Könner darben in ihren Kellerlöchern dahin, weil sie von der Wirtschaft und der Gesellschaft als Feinde betrachtet werden.

    Die meisten mir bekannten Webmaster sind Deppen (das liegt möglicherweise an meinem schlechten Umgang). Die können Webseiten gestalten, damit alles schön bunt wird, die haben ihre Datenbank im Griff, damit noch mehr Daten hinein passen, usw. Die können/wollen eine ganze Menge und denken im Traum nicht darüber nach, was mit den gesammelten Daten passieren könnte. Denjenigen, die ausnahmsweise mal über Datenschutz nachdenken, fehlt es dann am nötigen Wissen.

    Umdenken wäre ein Weg in die richtige Richtung.

  9. Erstellt am 5. November 2009 um 15:08 | Permanent-Link

    Es gibt Gesetze. Aber man muß auch dafür kämpfen und eintreten, dass diese eingehalten werden. Es sollten weitere Verfahren eingeladen werden, um genau hiergegen vorzugehen. Ich unterstütze bereits den betroffenen hoster Julian Kornberger http://blog.ready2host.de/
    macht mit!

  10. Erstellt am 5. November 2009 um 17:34 | Permanent-Link

    Um mal ein paar Zahlen in den Raum zu werfen, um wie viele Daten es sich bei so einer Sammlung handeln würde:

    Es gibt in Deutschland über 200 Telekommunikationsanbieter, die alle Bestandsdaten haben. Es gibt in Deutschland über 6000 ISPs, die als Zugangsanbieter auftreten. Alle diese Unternehmen müssten dann ihre Daten dort abliefern – dauernd, mit Updates, regelmässig.

    Alleine die Telekom hat über 30 Millionen Kunden im Festnetzbereich.
    Es gibt in Deutschland über 107 Millionen Mobilfunkanschlüsse.
    Die Anzahl der Email-Adresse in Deutschland dürfte im Bereich von mehreren hundert Millionen liegen.

    Eine Datensammlung in diesen Größenordnungen mit Stammdaten zu allen Anschlüssen sprengt alles, was es bis jetzt in Deutschland gibt, schätze ich mal. Und ich will wirklich nicht, dass irgendjemand Zugriff auf so eine Menge von Daten hat – denn sicher wird das nie sein!

  11. Simon
    Erstellt am 5. November 2009 um 22:38 | Permanent-Link

    Nun ja, zum Glück ist es (vorerst) und nach einer Stunde vom Tisch, ABER:

    Das 1 (EIN!) EINZIGES Unternehmen sowas VORSCHLÄGT und dann gleich ein Gesetz folgen soll, das ist… *beliebige Worte hier einfügen*

4 Trackbacks

  1. [...] bei den Providern gespeichert werden sollen und deshalb nicht ganz so zentral zugänglich sind? Na, das kann auch noch geändert werden. [...]

  2. Von Intermezzo (100) « Blue Archive am 5. November 2009 um 01:18

    [...] Bundesnetzagentur plant gemeinsamen Bestandsdatenpool aller TK-Anbieter [...]

  3. [...] via netzpolitik [...]

Ihr Kommentar

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder verteilt. Benötigte Felder sind mit * markiert

*
*

Du kannst diese HTML Tags und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Anzeige
Die von uns verfassten Inhalte stehen unter der Lizenz CC BY-NC-SA.
Netzpolitik.org nutzt Wordpress. Das Design ist ein Thematic-Kind von Linus Neumann.