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Dienstag, 22. April 2008

Wiedervorlage: Vorratsdatenspeicherung bei StudiVZ

Ein offener Brief an die Datenschutzabteilung von StudiVZ, aus gegebenem Anlass:

Sehr geehrte Damen und Herren

per “Datenschutz-Erklärung” vom 20.12.2007 verlangen Sie von mir als Nutzer des sozialen Netzwerks studiVZ die Einwilligung, dass studiVZ bei meiner Nutzung der Plattform anfallende Daten an, ich zitiere:

Ermittlungs-, Strafverfolgungs- und Aufsichtsbehörden weitergibt, wenn und soweit dies erforderlich ist zur Abwehr von Gefahren für die staatliche und öffentliche Sicherheit sowie zur Verfolgung von Straftaten.

Um Nutzungsdaten an Ermittlungs-, Strafverfolgungs- und Aufsichtsbehörden weitergeben zu können, müssen diese zunächst auf Vorrat gespeichert werden.

Wie ich soeben in einer Pressemitteilung des Berliner Beauftragten für Datenschutz (PDF) lese, muss ich als Nutzer eine solche Speicherung von Nutzungsdaten nicht hinnehmen. SchuelerVZ und studiVZ werden in diesem Zusammenhang explizit als Beispiele genannt:

Soziale Netze wie schuelerVZ oder studiVZ müssen ihre Nutzer umfassend über die Verarbeitung ihrer Daten informieren und ihnen die Entscheidung überlassen, welcher Personenkreis ihre Daten sehen darf. Die Nutzer müssen weder personalisiert Werbung noch die Speicherung von Nutzungsdaten auf Vorrat hinnehmen.

Leider muss ich feststellen, dass ein Widerspruch gegen die Speicherung meiner Nutzungsdaten im Bereich “Meine Privatsphäre” offensichtlich nicht möglich ist.

Daraus ergeben sich folgende Fragen:

  1. Über welchen Zeitraum speichert StudiVZ Nutzungsdaten, die auf mich zurückgeführt werden können?
  2. Wo kann ich der Einwilligung zur Speicherung dieser Nutzungsdaten widersprechen?
  3. Wo kann ich der Einwilligung zur bis zur 6-monatigen Speicherung meiner IP-Adresse (Punkt 4 der o.g. Datenschutzerklärung i.V.m. Punkt 1 der “Datenschutz-Information“) widersprechen?

Da mir obige Fragen angesichts von - nach eigenen Angaben - über 5 Millionen registrierten Nutzern allein auf der Plattform studiVZ von allgemeinem Interesse zu sein scheinen, stelle ich sie auch gleich öffentlich.

Über eine baldige Beantwortung, gerne auch öffentlich bei Netzpolitik.org, würde ich mich freuen.

Mit freundlichen Grüßen
Jörg-Olaf Schäfers

12 Comments so far

1. Susanne Klickerklacker schrieb am 22. April 2008 um 23:15

Ich kann nicht nachvollziehen, dass solche BullshitVZs überhaupt genutzt werden. Im Prinzip haben die Nutzer, die sich einem solchen Dantenschutzgau hingeben, selber schuld.

2. erlehmann schrieb am 22. April 2008 um 23:49

Konsequente Lösung: Andere (offene) Plattformen nutzen. Blogs und Jabber, oder irgendwann einmal NoseRub.

3. asaaki schrieb am 23. April 2008 um 0:30

sicher, mensch muss solche netzwerke ja nicht nutzen. doch für viele ist es eben einfacher, sich dort anzumelden.

so sollte es umso erfreulicher sein, dass es wiederum andere menschen gibt, die dafür kämpfen, dass alle nutzer ihre rechte gewahrt sehen können.

nicht immer nur negativ sehen.

-aki

4. Martin schrieb am 23. April 2008 um 1:02

@Susanne und erlehmann: Durch den Netzwerkeffekt wird das schwierig denn der größte Anteil der Studenten nutzt einmal StudiVZ (ganz abgesehen haben die wenigsten schon einmal was von Jabber gehört ;) )

Ich bin gespannt, wie die StudiVZ Ltd. reagiert. Und inwiefern sie planen, das umzusetzen.

5. Claas schrieb am 23. April 2008 um 7:41

Bei mir im Studiengang (nicht Technisch) wird man ja schon fast gezwungen, da die meisten anderen möglichkeiten einfach über das technische Verständnis der meisten gehen…

nur 30% haben sich überhaubt die Nutzungsdaten für ihren Uni email Accound abgeholt… Es hat auch nur ca 50% einen Internet anschluss.

Da ist der Versuch zu anderen Platformen zu wechseln doch relativ schwer.

-Claas

6. Torsten schrieb am 23. April 2008 um 8:55

Was mich an StudiVZ am meisten erstaunt: DAS DING KANN NICHTS.

Ein paar Bildchen online stellen, alberne Foren und eine unkomfortable Message-Funktion. Das war es schon.

7. Roland schrieb am 23. April 2008 um 9:35

@Torsten
Aber es ist einfach strukturiert und bietet alles was die meisten wollen. Ich arbeite im Softwareumfeld und habe mich bei StudiVZ wegen eines Abendstudiums (das nichts mit IT zu tun hat) angemeldet, da es in unserem Kurs sehr viel genutzt wird.
Ich kenne (von nutzung kann man dabei nicht sprechen) nebenbei auch noch facebook und muss sagen, dass das system so überladen daherkommt, dass ich StudiVZ definitiv vorziehe. Und ich schätze mal, dass gerade diese Einfachheit von StudiVZ ein großer Pluspunkt für alle ist, die nur alle paar Tage mal am Rechner sitzen.

8. Der Berliner schrieb am 23. April 2008 um 9:46

ich wurde auch genötigt mich bei studivz anzumelden und finde die optionen dort mehr als lausig.

welche deutschsprachigen oder internationalen alternativen hat man denn noch?

9. Datenschutz-Leitlinien schrieb am 23. April 2008 um 10:32

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10. Mario schrieb am 23. April 2008 um 10:54

Ich versteh das ewige StudiVZ-Gejammer nicht. Das die meisten netzpolitik-Leser StudiVZ nicht als Hauptkommunikation nutzen doch trivial. Darum geht es doch auch gar nicht. Wichtig ist es doch, die Leuten, die sich nicht mit den Alternativen beschäftigen wollen, was ihr gutes Recht ist, zu sensibilisieren. Und das geht am besten über eine öffentliche Diskussion, die durch solche Briefe angestossen werden kann. Danke.

11. Torsten schrieb am 23. April 2008 um 11:22

Mario: Nicht ganz: die Zielgruppe wird am besten sensibilisiert, wenn Kiffer-Bilder an den StA weitergeleitet werden :-)

12. Links vom 23.4.2008 | Florian Altherr schrieb am 24. April 2008 um 19:11

[...] netzpolitik.org: » Wiedervorlage: Vorratsdatenspeicherung bei StudiVZ » [...]

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