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Donnerstag, 17. April 2008

Wie die Wissensgesellschaft betrogen wird

Starkes Pladöyer: Der Physik-Nobelpreisträger Robert B. Laughlin warnt in einem Essay für SpOn vor einem neuen Dunklen Zeitalter der Desinformation und Ignoranz: Wie die Wissensgesellschaft betrogen wird.

Wir stehen am Beginn des Informationszeitalters, in dem der Zugang zu Wissen in vielerlei Hinsicht wichtiger ist als der Zugang zu materiellen Ressourcen. Tatsächlich wird aber in dieser sogenannten Wissensgesellschaft der Zugang zu Informationen versperrt, und frei erworbene Erkenntnisse werden aus wirtschaftlichen, politischen oder militärischen Gründen als illegal erklärt. Die zunehmenden Bemühungen von Staaten, Unternehmen und Individuen, Konkurrenten um jeden Preis davon abzuhalten, bestimmte Dinge in Erfahrung zu bringen, die sie selbst wissen, hat zu einer erstaunlichen Ausweitung des Schutzes geistigen Eigentums im Urheberrecht und zu einer beträchtlichen Ausweitung staatlicher Geheimhaltungsmöglichkeiten geführt.
[...]
Die Abschottung und Privatisierung von Wissen führt hier also dazu, dass weniger Erfindungen und damit neues Wissen entstehen können. Auch auf anderen Gebieten ist es nicht immer sinnvoll, Wissen geheimzuhalten. So soll etwa in den Vereinigten Staaten der Atomic Energy Act dafür sorgen, dass nicht jeder Zugang zu Informationen über Kerntechnologie hat, wegen der Gefahr des Missbrauchs. Aber die Erfahrungen, die wir in den vergangenen Jahrzehnten mit diesem Gesetz gemacht haben, zeigen deutlich, dass die dort bestimmten Straftatbestände und Strafandrohungen die Ausbreitung kerntechnischen Wissens nicht verhindert haben.

6 Kommentare

  1. erlehmann am 17.04.2008 um 16:02 (Antworten)

    Stallman erzählt Ähnliches, seit Urzeiten

  2. Matthias am 17.04.2008 um 19:48 (Antworten)

    Nur weil sich hier ein Nobelpreisträger äußert, muss das was er da sagt, noch lange nicht stimmen. Ich sehe eher das Gegenteil: Das Internet macht immer mehr Informationen frei zugänglich!

  3. markus am 17.04.2008 um 20:46 (Antworten)

    Soweit ich den Text verstanden habe, macht er nicht das Internet dafür verantwortlich, dass Wissen verschlossen wird, sondern ein immer restriktiveres Urheberrecht und anderere Monopolrechte.

  4. Matthias am 18.04.2008 um 12:59 (Antworten)

    Ich sehe da schon einen Zusammenhang: Denn die Tatsache, dass Wissen über das Internet immer leichter und schneller verfügbar wird, erhöht auf der anderen Seite die Bemühungen bestimmter Wissensträger, “Schutzräume” um ihr (teuer?) erworbenes Wissen zu ziehen.

    Die von Prof. Laughlin angeführten Beispiele von Patentrechtsverletztungen mögen im Einzelfall bitter sein, sie sind aber in meinen Augen symptomatisch für unsere moderne Gesellschaft, in der noch oft altes Denken (und alte Geschäftsmodelle) mit den neuen Möglichkeiten des Informationszeitalters aufeinanderprallen.

    Die Musikindustrie zeigt das ja sehr gut und dass im Bereich der Wissenschaften ähnlich harte Kämpfe ausgefochten werden, ist nicht weiter erstaunlich - nur eben die Schlußfolgerung des Nobelpreisträgers.

  5. S. Birken am 22.04.2008 um 20:19 (Antworten)

    Sidenote:
    Fazit im Dradio vom 21.4. berichtet life aus der PR-Klitsche der GVU, “Respect Copyright”-Jubiläum.
    €200Mio Ausfall 2007 durch “piraterie im internet”, schlechte Gesetze, u.a. das jüngste sei das papier nicht wert etc etc.
    Ich finde bemerkenswert, dass in einer Sendung wie Fazit wo bei einer xbeliebigen Inszenierung ein xbeliebiger Reporter das Kotzen kriegt, man so unberührt mit diesen Widerlingen gemeinsame Sache macht.

  6. [...] Wissen wird zur knappen Ressource

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