Wahlcomputer sind sicher! Äh, Wahlgeräte!

Heute verhandelt das Bundesverfassungsgericht über die Rechtmäßigkeit von Wahlcomputern. Zumindest liegt darin unser Kritikpunkt: Es handelt sich um Geräte, die elektronisch arbeiten -nicht mechanisch. Bislang erlaubt das Gesetz den Einsatz von “Wahlgeräten”. Ein Wahlgerät kann beides sein; mechanisch wie elektronisch.

Aber darin besteht ein großer Unterschied; habe ich beim “Sezieren” eines mechanischen Wahlgerätes noch die Möglichkeit physisch nachzuvollziehen, was welcher Hebel bewirkt, so muss ich bei einem Wahlcomputer auf die Analyse virtueller Software vertrauen. Und ob beim Übertragen der Software (vielleicht auch nur wegen des kosmischen Rauschens) ein Bit kippt, ist für mich schlichtweg nicht überprüfbar.

Nun hat gestern der Vorsitzende des Wahlprüfungsausschusses des Deutschen Bundestages, Carl-Christian Dressel (SPD), über den Parlaments-eigenen Pressedienst HiB seine Stellungnahme verbreiten lassen. Ihre Überschrift lautet: Abstimmung mit Wahlgeräten ist sicher

Nur wer die HiB-Melden via E-Mail abonniert hat, kann nachvollziehen, dass 20 Minuten vorher der Titel noch lautete: Abstimmung mit Wahlcomputern ist sicher.

Tja, kein einfaches Thema, oder Herr Dressel? Solang Sie noch wissen, worum’s geht.

Ebenfalls wurde gestern ein ausführlicher Bericht des Chaos Computer Clubs zu Wahlcomputern (PDF) veröffentlicht.

ps.: Inhaltlich will ich da garnicht groß drauf eingehen, beim Überfliegen les ich aber grad: “Von der einfachen Handhabung der elektronischen Wahlgeräte sind besonders ältere Wähler positiv überrascht.” – vermutlich darüber positiv überrascht, dass man daran denkt ihnen eine Lupe für die viel zu kleine Beschriftung der Felder an den Computer zu hängen *scnr*.

Als Hintergrund-Informationen passt der mittlerweile zwei Jahre alte Netzpolitik-Podcast mit Andreas Bogk vom Chaos Computer Club ganz gut: Wahlmaschinen hacken.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Deutschland, Digital Rights, e-Democracy und getagged , , , . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Matthias Mehldau, Netzpolitik.org.

6 Kommentare

  1. Erstellt am 28. Oktober 2008 um 14:54 | Permanent-Link

    Mir fällt da spontan der Simpsons-Wahlcomputer ein, wo Homer versucht Obama zu wählen aber McCain die Stimme kassiert…

    Werde den Ausschnitt mal bei Youtube suchen.

  2. malcom
    Erstellt am 28. Oktober 2008 um 15:51 | Permanent-Link
  3. Björn
    Erstellt am 28. Oktober 2008 um 18:39 | Permanent-Link

    brightcove.com hat auch noch ne Kopie: http://link.brightcove.com/services/player/bcpid1529569286?bctid=1834283858

    Wie das nu wieder kommt, dass ausgerechnet das Video bei youtube verloren gegangen ist? Denn mir will ja wohl keiner Erzählen, dass da irgend eine Absicht dahinter steckt…

  4. Björn
    Erstellt am 28. Oktober 2008 um 18:40 | Permanent-Link

    Zum CCC Bericht, wieso ist der denn 42 Seiten lang? Zufall? Das ist doch alles eine riesen große Verschwörung!

    Ironie ist, wenn man trotzdem lacht.

2 Trackbacks

  1. [...] Wahlcomputer sind sicher! Äh, Wahlgeräte! [...]

  2. Von Wahlcomputer | lerex am 29. Oktober 2008 um 22:53

    [...] Bei Netzpolitik.org wird auf den Bericht des CCC (Chaos Computer Club) zu der Benutzung der Wahlcomputer in Brandenburg hingewiesen. In diesen Bericht kann man sehr anschaulich sehen wie leichtfertig mit den einfach zu verändernden Wahlcomputern umgegangen wird. Weitere gute Artikel gibt es unter Anderem bei der Süddeutschen,der Tageszeitung und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. [...]

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