tuwat.txt: “Damit wir als Komputerfrieks nicht länger unkoordiniert vor uns hinwuseln…”

Tim hat einen schönen Podcast mit ein paar “Gründern” des CCC* gemacht. Sie trafen sich 1981 und fanden aufgrund folgendes Textes zusammen:
(erschienen am 1.9.1981 in der taz)

tuwat.txt

Dass die innere Sicherheit erst durch Komputereinsatz möglich wird, glauben die Mächtigen heute alle. Dass Computer nicht streiken, setzt sich als Erkenntnis langsam auch bei mittleren Unternehmen durch. Dass durch Komputereinsatz das Telefon noch schöner wird, glaubt die Post heute mit ihrem Bildschirmtextsystem in “Feldversuchen” beweisen zu müssen. Dass der “personal computer” nun in Deutschland dem videogesättigten BMW-Fahrer angedreht werden soll, wird durch die nun einsetzenden Anzeigenkampagnen klar. Dass sich mit Kleincomputern trotzalledem sinnvolle Sachen machen lassen, die keine zentralisierten Großorganisationen erfordern, glauben wir. Damit wir als Komputerfrieks nicht länger unkoordiniert vor uns hinwuseln, tun wir wat und treffen uns am 17.9.81 in Berlin, Wattstr. (TAZ-Hauptgebäude) ab 11.00 Uhr. Wir reden über internationale Netzwerke – Kommunikationsrecht – Datenrecht (Wem gehören meine Daten?) – Copyright – Informations u. Lernsysteme – Datenbanken – Encryption – Komputerspiele – Programmiersprachen – processcontrol – Hardware – und was auch immer.
Tom Twiddlebit, Wau, Wolf, Ungenannt(~2)

Unterschrieben ist der Text von fünf Personen. Zwei davon bleiben ungenannt. Es ist ausserdem noch ein Dokument dieser ersten Treffen aufgetaucht (PDF).
Es beinhaltet ein Protokoll das oben auf den 12.10. datiert ist, unten allerdings mit dem 29.9. unterschrieben ist. Eingeladen wurde aber auf den 17.9. Unklar.
[Anm. von bernadette: Chaos und Verpeil0r? ;) scnr]

Was geschrieben wird, ist teilweise aktuell wie eh und je:

Es kann festgestellt werden, dass die Herangehensweise an die neuen Kommunikationssysteme äußerst blauäugig ist – es ist nicht schwer zu prognostizieren, dass in einigen Jahren von Grosskonzernen Mitarbeiter eingestellt werden, deren Aufgabe es sein wird, die öffentlichen Datenbanksysteme regelmässig nach verwertbaren Informationen, Anregungen, Erkenntnissen zu durchforsten.
[...]
Ein strittiger Punkt im Zusammenhang mit den Datennetzen war die Frage, ob es für die überwachte Gesellschaft wichtiger ist, an Kommunikation zu partizipieren – oder die Kommunikation zu verhindern. [...]
Wer hat den größeren Nutzen: Die Informationsverbreiter oder die Informationsüberwacher?

In der Pressemitteilung, die “in der Woche vor” dem 12.10. veröffentlich wurde, steht:

[...]
Es fanden sich Profis und Interessierte für Workshops über Problemkreise wie
- Kommunikation/Datennetze
- Datensicherheit/Computerkriminalität
- Datenrecht/Datenschutz/Copyright
- Massenspeicher/Datenbanken
- Programmmiersprachen/-methoden/-werkzeuge
- Benutzerfreundlichkeit
- soziale Fragen des Computereinsatzes
- Entmystifizierung des Computers durch Aufklärung
- Informations- und Lernsysteme
- alternative Computerspiele
- ungedachte Anwendungen

Aus dem Münchner Treffen vom 17.10.1981 resultierte ein “Thesenpapier” – das letzte Dokument im pdf. Hier wurden die oben genannten Punkte etwas genauer kommentiert. Besonders schön ist das letzte Kommentar:

ccc treffen muenchen 81

* bei einer derartig dezentralen und bewusst unorganisierten Organisation wie dem CCC kann man wohl nie eindeutig sagen, wer nun “Gründer” war oder wer “für” den CCC “spricht” – noch kann man sonstige allgemeine Aussagen treffen. Diese Dokumente sind einfach nur ein Stück Zeitgeschichte.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Digital Rights, Digitalkultur. Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Bernadette La., Netzpolitik.org.

2 Kommentare

  1. Erstellt am 6. März 2008 um 17:18 | Permanent-Link

    Ich war irgendwann Anfang der Achtziger für ein Jahr Abonnent der Datenschleuder.
    Damals war ich 13 und habe nie einen der Beiträge voll oder auch nur halb verstanden. Den Bezugspreis fand ich am besten: Man konnte selber eine Zahl und eine Summe zwischen 0 und 99 (oder so) wählen und musste nur das bezahlen, was bei der Multiplikation rauskam. Naja, ich hatte wenig Taschengeld und habe die Zahl Null genommen und bin dann tatsächlich regelmäßig mit den aus jeweils 2 bis 3 gefalteten Din A4 Blättern bestehenden Ausgaben beliefert worden. Noch einmal lieben Dank an die damaligen Macher der Datenschleuder. Auf meine Entwicklung haben die Ziele des CCC und die DS auf jeden Fall einen gewissen Einfluß gehabt.

  2. Matthias
    Erstellt am 28. Dezember 2010 um 14:47 | Permanent-Link

    Im Zitat oben ist das Datum falsch (offenbar ein OCR-Fehler). Im Aufruf steht der 12.9.81 und nicht der 17.9.81 als Termin für das Treffen.

2 Trackbacks

  1. Von Wau Holland « Auf dem Dao-Weg am 30. Juli 2011 um 11:09

    [...] ŝelkpantalonon (aŭ la Cebit-kompleton kun korktirilaj faldoj, kiuj ornamis la programiston kaj komputilstrangulon), sed multuzitan ledan. Per tio la metodo anonciĝis, kaj tiel tio daŭris plu kaj plu. Ĉe Wau, [...]

  2. Von Kleistplankton am 8. September 2011 um 17:41

    [...] Art Kaffee zu kochen erinnert an einen Satz des CCC-Doyens und Komputerfrieks der ersten Stunde, Wau Holland: „Ein Hacker ist ein Mensch, der mit seiner Kaffeemaschine [...]

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