Google soll alle Youtube-Logs an Musikindustrie übergeben

Das hat ein Bezirksgericht in New York angeordnet im Zusammenhang mit einem Zivilrechtsprozess zwischen Viacom (u.a. MTV-Mutterkonzern) und Google, wo es um Schadensersatz für urheberrechtsgeschützte Inhalte bei Youtube geht. Im Klartext: Damit Viacom von Google Geld verlangen kann, sollen die Daten aller Menschen, die sich jemals ein Youtube-Video (auch wenn es woanders eingebettet war) angesehen haben, an Viacom übergeben werden. Da sieht man mal wieder, wozu die Vorratsdatenspeicherung in Form von Logfiles führen kann. Konkret geht es um

  • die IP-Adresse des Rechners, mit der ein Nutzer ein Video betrachtet hat
  • den Zeitpunkt des Starts des Filmbeitrags
  • dessen Identifizierungsnummer
  • sowie gegebenenfalls den Login-Namen des Anwenders.

Google hat sich dabei mit seinen Standard-Argumenten in anderen Fällen, dass IP-Nummern und frei wählbare Usernamen keine personenbezogenen Daten sind, selber ins Knie geschossen, der Richter hat das nämlich im Urteil genüsslich zitiert.

Die Logfiles umfassen 12 Terabyte. Wenn man mal großzügig von 40 Byte pro Datensatz ausgeht und als Terabyte die IEC-konforme dezimale Anzahl Bytes nimmt, kommen dabei konservativ geschätzte 25 Milliarden Datensätze raus. Da viele User bei vielen Webseiten den selben Login-Namen verwenden und dieser häufig auch mit dem echten Namen identisch ist, dürften sich da interessante Rückschlüsse auf die Interessen von recht vielen Menschen ziehen lassen.

Mehr dazu bei

Oh, und seit heute gibt es plötzlich einen Link zur Privacy-Policy auf der Startseite von Google. Na, dann ist ja alles gut. (via)

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Datenschutz, Digitalkultur, Musik im Netz, Urheberrecht und getagged , , , , , , . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Ralf Bendrath, Netzpolitik.org.

Ein Kommentar

  1. Frage
    Erstellt am 4. Juli 2008 um 21:33 | Permanent-Link

    Die Frage die ich mir stelle – wozu ist es überaupt bei Google so, dass die IP der Betrachter mitgeloggt wird. In jedem Blog riskierst du ne abmahnung wenn du die ip´s zu statikauswertungen mitloggst – und hier isses bei 25 milliarden datensätzen kein problem.

    kann mir des wer erklären?

12 Trackbacks

  1. [...] Google soll alle YouTube-Logs an Musikindustrie übergeben: Das hat ein Bezirksgericht in New York im Zusammenhang mit einem Zivilrechtsprozeß zwischen Viacom (u.a. MTV- und VH1-Mutterkonzern) und Google angeordnet (<img src=”http://www.kantel.de/schockwellenreiter/images/pdf&#8230; Bookmark setzen: These icons link to social bookmarking sites where readers can share and discover new web pages. [...]

  2. Von Other Times am 4. Juli 2008 um 11:43

    Der freundliche Großkonzern von nebenan…

    Schonmal ein Video bei Youtube angeschaut? Ich schätze ca. 99,5% aller Internetnutzer werden auf diese Frage mit "Ja" antworten. Für diese überschaubare Anzahl Leute ist demnächst ein Stückchen Privatsphäre wenig…

  3. Von blariog.net am 4. Juli 2008 um 12:38

    YouTube gehackt!…

    Ein US-amerikanisches Gericht hat dafür gesorgt, dass unser aller Daten bei YT von Google an Viacom/MTV übergeben werden. Sämtliche Logfiles, laut netzpolitik.org folgende Daten

    die IP-Adresse des Rechners, mit der ein Nutzer ein Video betrachtet h…

  4. Von VisualBlog - das VisualOrgasm-Weblog am 4. Juli 2008 um 16:38

    Datenschutz: So kanns gehen – Google soll Logfiles rausrücken…

    Meldungen wie diese machen mir Angst. Google soll nach einem Zivilrechtsurteil die Youtube-Logfiles an Viacom, den MTV-Mutterkonzern herausgeben. Dabei geht es um Urheberrechtsverletzung. Klingt erstmal nicht so wild. Aber wenn man sich überlegt, was …

  5. [...] Taz hat ein Interview mit Frank Rieger vom Chaos Computer Club zum aktuellen Youtube-Fall: “Datenspeicherwahn überdenken“. Google speichert Nutzerdaten inklusive [...]

  6. [...] abzustreiten ist allerdings die Erosion von Privatsphäre. Ein Datenschutzaspekt, der in dieser Form immer diskutiert werden kann. Die von Google erstellten Logfiles sind dem [...]

  7. Von Web-2.0-Frühjahrsputz auf bölzebub.de am 4. Juli 2008 um 18:37

    [...] Account wollte ich eigentlich aus gegebenem Anlass dringen löschen. Allerdings weiß ich das Passwort nicht mehr. Und die Emailadresse, die [...]

  8. [...] Oder bist du dir wirklich immer darüber bewußt, ob du gerade auf der richtigen Seite des Gesetzes stehst? Wenn du dir zum Beispiel ein Musikvideo auf Youtube ansiehst. Ich bin mir im Moment nicht mehr sicher. [...]

  9. Von datenschmutz.net am 6. Juli 2008 um 20:38

    Blogistan Panoptikum KW26 2008…

    Der August naht mit großen Schritten – aber Viacom lässt sich von der Sommerpause nicht bremsen und gewinnt den Prozess gegen Google – und Walters Twitter-Visualisierungen gewinnen immer mehr Aufmerksamkeit.
    ……

  10. [...] netzpolitik.org: “Google soll alle Youtube-Logs an Musikindustrie übergeben” weiterlesen… [...]

  11. Von Alles hat ein Ende. « indymind am 8. Juli 2008 um 20:51

    [...] mangelnder Zeit und aktueller Ereignisse habe ich mich entschlossen den Indymind-Blog [...]

  12. [...] der Vergangenheit schon öfters zum Streit mit verschiedenen Rechteinhabern (z.B. im Sommer mit der Musikindustrie). Nun geht aber auch der Trend in Richtung Zusammenarbeit zwischen Produzenten und [...]

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