Bayern will Trojanereinsatz zum Skype-Anhoeren

Der Chaos Computer Club praktiziert wieder Informationsfreiheit und veröffentlicht ein Dokument aus dem Bayerischen Staatsministerium der Justiz: Bayern will Trojanereinsatz zum Skype-Anhoeren.

Das Dokument, das offenbar auch anderen Stellen zugegangen ist und bereits Gegenstand von entsprechenden Veroeffentlichungen ist, scheint uns allerdings vollstaendig veroeffentlichungswuerdig. Wir erlauben uns daher, das Dokument hiermit in gaenze der oeffentlichen Diskussion zur Verfuegung zu stellen.

Das Papier ist ganz interessant zum lesen. Es ist derzeit unklar, wer für die Überwachungskosten bezahlen soll: Staatsanwaltschaft oder Polizei. Es gibt weiterhin detaillierte Produktangaben und Kostenaufschlüsselung. Es wird auch angeratem, Proxy-Server auf eigene Kosten anzumieten, um die IP zu verschleiern. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass mindestens ein Proxy-Server “in Übersee” sitzt. Ob das wegen der Vorratsdatenspeicherung so sein soll… ?

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Datenschutz, Deutschland, Digital Rights und getagged , , , , . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Markus Beckedahl, Netzpolitik.org.

11 Kommentare

  1. Sabine Klickerklacker
    Erstellt am 24. Januar 2008 um 23:59 | Permanent-Link

    Als Beamter macht es mich fassungslos, dass solche Verfassungsbrüche für die Verantwortlichen folgenlos bleiben. Eine Tafel Schokolade zu Weihnachten darf man als einfacher Sachbearbeiter wegen der Korruptionsrichtlinien von “Oma Krause” nicht annehmen, aber Politiker, Staatsanwälte und Polizei tanzen dem Rechtsstaat so auf der Nase herum und verletzen Bürgerrechte am laufenden Band. Es ist frustrierend und zum Kotzen. Am besten, man wandert aus, es ist kaum noch auszuhalten.

  2. Erstellt am 25. Januar 2008 um 01:58 | Permanent-Link

    Das Dokument ist auch noch in anderer Hinsicht relevant. Die ganze Umsetzung der Funktionsweise der Software scheint mir irgendwie nicht richtig durchdacht. Hab mich grad mal nen bisschen mit den Infos die man aus dem Dokument ziehen kann auseinander gesetzt und was ausm Ärmel geschüttelt.
    http://blog.markus-pachali.de/2008/01/25/computerwanzen-in-bayern-stehen-kurz-vor-ihrem-einsatz/

    mfg
    Markus

  3. tbo
    Erstellt am 25. Januar 2008 um 08:04 | Permanent-Link

    Also wen ich das richtig verstehe, wird hier ein Drittanbieter mit der Programmierung eines Trojaners betraut. Das erfüllt doch den Tatbestand der Aufforderung zur Straftat, quasi “Delikt-Outsourcing”. Mal von der Datensicherheit abgesehen…

  4. Erstellt am 25. Januar 2008 um 10:54 | Permanent-Link

    @3: tbo
    Outsourcing ja, aber wo siehst du da “Delikt-Outsourcing”? Meinst du im Bezug auf §202c?
    Datensicherheit: Naja, die Daten werden ja an Server der Polizei/ Staatsanwaltschaft übertragen und nicht erst an Server des Herstellers des Trojaners.

  5. erlehmann
    Erstellt am 25. Januar 2008 um 14:01 | Permanent-Link

    Ich kann weder mit Evince (Poppler 0.6) noch mit Xpdf das Dokument lesen – es ist immer total verzerrt. Mache ich es falsch ?

  6. Erstellt am 25. Januar 2008 um 14:36 | Permanent-Link

    @5: Bei mir geht es auch mit AdobeReader, Okular und Kpdf nicht. Alles unter Ubuntu…

  7. erlehmann
    Erstellt am 25. Januar 2008 um 16:05 | Permanent-Link

    Das Dokumente der Piratenpartei [1] geht allerdings mit Poppler.

    [1] http://www.piratenpartei.de/tmp/bt.pdf

  8. Erstellt am 25. Januar 2008 um 21:36 | Permanent-Link

    Das Dokument vom CCC scheint in der Tat beschädigt zu sein. Scheint auch wesentlich größer zu sein als das, das ich habe. Bei dem funktioniert auch die Anzeige ohne Probleme mit kpdf & Co.

    mfg
    Markus

  9. Erstellt am 26. Januar 2008 um 08:33 | Permanent-Link

    Vor allem braucht man gar keinen Trojaner, um an Skype-Gespräche heranzukommen, da Skype selbstverständlich im Ernstfall mit Ermittlungsbehörden zusammenarbeitet:

    http://www.usatoday.com/tech/news/computersecurity/2006-02-16-skype-wiretapping_x.htm

  10. johny
    Erstellt am 27. Januar 2008 um 14:49 | Permanent-Link

    Wer sich so im WWW präsentiert, wie die Firma die die entsprechende Software entwicklen soll, kann nichts produzieren was funktionieren könnte.

    Johny

  11. Ichkennedy
    Erstellt am 21. Februar 2009 um 09:07 | Permanent-Link

    Wo bleibt der Verstand in dieser Diskussion?
    Wer auch nur Ansatzweise mit einem Telekommunikationsunternehmen zu tun hat,weiß selbstverständlich,daß man sicherheitsrelevante Angelegenheiten nur persönlich in neutraler(Nicht verwanzter Umgebung)bespricht.Das war schon immer so!
    Nur alle demokratiegläubigen Toren denken in beispielloser Blauäugigkeit darüber anders!

2 Trackbacks

  1. [...] Oder was ist zu dem Dokument noch zu sagen? [...]

  2. Von Jahresrückblick 2008 : netzpolitik.org am 24. Dezember 2008 um 19:53

    [...] Bayern will Trojanereinsatz zum Skype-Anhoeren. [...]

Ihr Kommentar

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder verteilt. Benötigte Felder sind mit * markiert

*
*

Du kannst diese HTML Tags und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Anzeige
Die von uns verfassten Inhalte stehen unter der Lizenz CC BY-NC-SA.
Netzpolitik.org nutzt Wordpress. Das Design ist ein Thematic-Kind von Linus Neumann.