Zentraldatei der Steuerzahler

Morgen im Bundeskabinett:

Berliner Zeitung: Bund plant gläsernen Steuerzahler.

Mit Hilfe der neuen, lebenslang gültigen Steuer-Identifikationsnummer, die seit Juli für jeden der 82 Millionen Bürger vergeben wird, soll ab 2011 die bisherige Lohnsteuerkarte ersetzt werden. Ein Teil der Datensätze kann dann vom Arbeitgeber zur Berechnung der Lohnsteuer abgerufen werden. Die vom Finanzministerium zum Gesetz befragten Verbände und Experten begrüßten zwar grundsätzlich das Ziel des Bürokratieabbaus. Große Sorge wurde aber über die Zentraldatei geäußert. “Angesichts der Menge von sensiblen Daten und den möglichen Begehrlichkeiten zu deren Abruf sehen wir noch eine Reihe von offenen datenschutzrechtlichen Fragen”, sagte ein Sprecher des Bundesdatenschutzbeauftragten der Berliner Zeitung. Kritisch werde vor allem die Speicherung der Religionszugehörigkeit gesehen, da diese Information besonders schutzbedürftig sei. Man hoffe, im parlamentarischen Verfahren Änderungen durchsetzen zu können.

Heise: Bundesregierung plant Zentraldatei der Steuerzahler.

Spiegel: Datenschützer kritisieren neues Jahressteuergesetz.

Netzeitung: Zentrale Steuerdatei in der Kritik.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Datenschutz, Deutschland, Digital Rights. Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Markus Beckedahl, Netzpolitik.org.

8 Kommentare

  1. Erstellt am 7. August 2007 um 20:53 | Permanent-Link

    Das nennt man dann wohl Stasi3.0

  2. Erstellt am 8. August 2007 um 08:51 | Permanent-Link

    Wenn gewährleistet ist, dass nur ‘Berechtigte’ die Daten abrufen können, d.h. Arbeitgeber, denen ansonsten auch die Lohnsteuerkarte in Papier übergeben worden wäre, und dort auch nur die Daten abgerufen werden können, die ansonsten auf dem Papier gestanden hätten, sehe ich kein Problem. Bin ich mal wieder zu naiv?

  3. erle
    Erstellt am 8. August 2007 um 10:12 | Permanent-Link

    Eine Identifikationsnummer, sie zu knechten,
    sie alle zu finden,
    Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden
    Im Lande Merkel, wo die Schatten drohn.
    (frei nach Tolkien)

  4. ninjaturkey
    Erstellt am 8. August 2007 um 10:26 | Permanent-Link

    @Jörg Stratmann: es scheint wohl bisher so zu sein, dass nur die Abfrage stattfindet ob man irgendein Arbeitgeber ist. Man muss also nicht unbedingt der Arbeitgeber desjenigen sein, dessen Daten abgefragt werden.

    Na – wer konstruiert mal eben den schönsten Mißbrauchsfall aus diese Szenario?

  5. Erstellt am 8. August 2007 um 12:52 | Permanent-Link

    Da regt sich ja nun doch einiger Widerstand. Die schönste Schlagzeile hat heute die Süddeutsche Zeitung (Print-Version): “Union verlagt mehr Datenschutz…” – man denkt sich: Super, endlich! – “…bei der Steuerdatei”.
    Tja, wenn’s ums Geld und die Nebeneinkünfte geht, sind sie plötzlich an vorderster Front dabei, genau wie die FDP bei der Kontenabfrage durch die Behörden. Kann Steinbrück denen mal erklären, dass es doch dabei nur um Terroristen und Kinderschänder geht? ;-)

  6. Erstellt am 8. August 2007 um 20:36 | Permanent-Link

    Die Frage ist doch, ob der Datenschutz überhaupt gewährleistet ist und wer auf die Daten zugreifen darf. Man darf nicht vergessen, dass diese Daten übers Netz gejagt werden was in meinen Augen eine Schwachstelle darstellt.

    Es kann mir eigentlich auch egal sein, wenn in China jemand liest, wie viel ich im Monat verdiene ;-)

  7. Fritze
    Erstellt am 9. August 2007 um 03:48 | Permanent-Link
  8. andreas
    Erstellt am 9. August 2007 um 14:54 | Permanent-Link

    Ach je, dieser Kontrollwahn … wenn in ein paar Jahren ein Gesetz kommt, dass mir vorschreibt, wie ich richtig zu sch***en habe, denke ich mir nur noch: Stimmt, das hatte noch gefehlt.

Ein Trackback

  1. Von links for 2007-08-08 at Florian Altherr am 8. August 2007 um 23:30

    [...] netzpolitik.org: » Zentraldatei der Steuerzahler » [...]

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