Neues von der CDU-Front: Schiessport im Schulunterricht?
von markus um 23:24 am Sonntag, 3. Juni 2007
Ist zwar einen Monat alt, aber hatten wir hier noch nicht. Wie schizophren ist das denn: Die CDU-Politikerin Astrid Vockert, Vizepräsidentin des Niedersächsischen Landtages und Schirmherrin des Nordwestdeutschen Schützenbundes “macht sich dafür stark, dass Schießen zum Schulfach wird. Der Schießsport fördere die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit von jungen Menschen.” Ihre Landesregierung setzt sich momentan am mit am stärksten in einem Kulturkampf dafür ein, dass sogenannte “Killerspiele” verboten werden.
Dadurch ist in Berlin auch erstmal eine Boulevardblatt-Diskussion entstanden:
Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) lehnt Schießsport in der Schule nicht grundsätzlich ab: „Schießen ist eine olympische Sportübung“, sagte er der B.Z.. „Sofern verantwortungsvoll damit umgegangen wird, kann man gegen diese Sportart nichts sagen.“
Aber nicht alle finden das toll. Es gibt viel coolere Sportarten für den Unterricht. Sticken zum Beispiel:
Berlins GEW-Chefin Rose-Marie Seggelke: „Mit Schusswaffen in Schulen zu hantieren, ist völlig daneben.“ Sie schlägt stattdessen vor, dass Schüler in Arbeitsgemeinschaften Hobbies wie Sticken oder Billard lernen sollen. Seggelke: „Billard erfordert eine extreme Konzentration, um ein Ziel anzupeilen. Auch die Nadelarbeit beim Sticken einer Kreuzstichdecke fördert die Konzentration.“
Counterstrike sollte mal schnell olympischen Status bekommen.
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Kommentare
14 Kommentare zu “Neues von der CDU-Front: Schiessport im Schulunterricht?”
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Jun 3rd, 2007 @ 23:31
Die CDU denkt fortschrittlich:
Bilden wir unsere potentiellen Amokläufer doch in der Schule aus, dann kennen wir ihre Schwächen. ;)
Jun 3rd, 2007 @ 23:32
No Chance. Der Deutsche Olympische Sportbund lehnt Computerspiele wegen mangelnder motorischer Aktivität ab.
Schach ist nur aus traditionellen gründen im DSOB vertreten.
Jun 3rd, 2007 @ 23:33
Was für Drogen haben die bitteschön genommen?
Ich bin dafür das schiessen in der Schule geübt wird, um sich besser gegen Amokläufer verteidigen zu können!!! ;)
Jun 3rd, 2007 @ 23:57
Als ein Schüler, der tatsächlich Stricken gelernt hat, kann ich treffsicher berichten, dass es die Konzentration nicht fördert. In keinem Unterricht sind die Schüler so abgelenkt wie eben dort.
Zum Schieß”sport” braucht man gar nichts mehr sagen. Das steht für sich selbst…
Jun 4th, 2007 @ 7:48
Folgen wir der amerikanischen Version:
Jeder Schüler wird im Umgang ausgebildet, und jede Klasse kriegt so viele Waffen wie sie Schüler hat - ergo läuft keiner mehr Amok :-/
Man, so ein Vorschlag kann echt nur aus Politikerkreisen mit Lobbybeteiligung kommen
Jun 4th, 2007 @ 8:59
@Simon Columbus: Sticken, nicht Stricken. Kann ich mir gut vorstellen in Verbindung mit Kunstunterricht und Politischer Bildung. Picassos “Guernica” in 8×4m in Gobelin-Kreuzstich. Damit hat man die Blagen für die nächsten 10 Jahre von der Straße.
Übrigens - falls Schießsport überhaupt in Erwägung gezogen werden sollte, dann allenfalls als Bogenschießen. Vielleicht sogar in Verbindung mit Bogenbau. Da könnte man gleich mehrere positive Fähigkeiten mit ausbilden.
Jun 4th, 2007 @ 16:02
Hm, was ist denn mit den schwarzen Bestrebungen in NRW, jedem Schüler Musikinstrumentenunterricht zu geben? Schon aufgegeben? “Jedem Kind ein Instrument”, mit 2010 in die musikalische Kulturhauptstadt(region)… da war doch was…
Oder ist das jetzt ein Wettbewerb? Dann brauchen die Orchester der E-Musik auch eine professionelle, gesellschaftliche Lobby.
Jun 5th, 2007 @ 1:16
Also ich habe während meiner Schulzeit in einer Kyffhäuser-Kameradschaft Luftgewehr und Luftpistole geschossen und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass es mir ebenso wenig geschadet hat, wie das mehrfache spielen von sogenannten Killerspielen. Ich habe das schießen und die hohe Konzentration dabei immer als sehr entspannend empfunden. Der wesentliche Denkfehler an der ganzen Geschichte ist nicht der Schießsport an sich, sondern viel mehr dieses einseitige Denken in Schubladen der Frau Vockert. Was einer Person (unter anderem auch mir) gut tut/tat, muss anderen Personen noch lange nicht gut tun. Kinder müssen individuell gefördert und gefordert werden und net alle samt nach Schema X und DIN Norm Y über einen Kamm geschert werden. So lange man weiterhin versucht alle Schüler gleichzuschalten und sie dabei nur in drei Kategorien unterteilt (”sehr gut, aus dir KÖNNTE mal was werden” = Gymnasium, “naja, passt schon” = Realschule und “du bist für die Drecksarbeit gut” = Hauptschule) wird das nichts mit Frieden auf dem Schulhof und einer Gesellschaft mit Chancengerechtigkeit.
Jun 10th, 2007 @ 21:31
wahnsinn
Jul 9th, 2007 @ 15:33
also ich bin grundsätzlich dafür. ich bin selber aktiv im schützenverein vertreten und verstehe die ganze aufregung nicht. was soll daran sooo schlecht sein ? so kann man den teenies wenigstens den richtigen umgang erklären (das es eine waffe und kein spielzeug ist!!) die konzetration wird gefördert und vielleicht treten auch manche in einen verein ein.
Sep 2nd, 2007 @ 23:38
AP bringt heute, 02. Sep 12:33, ergänzt 13:33:
Okt 5th, 2007 @ 10:13
…mir ist grad so amerikanisch mulmig zumute.
Feb 19th, 2008 @ 10:06
Na da sind die Meinungen aber verschieden.
Aber alle schauen bei den Übertragungen der Olympischen Spiele auch die Schießwettbewerbe an und wenn ein deutscher Sportler Olympiasieger wird jubeln alle.
Hat schon mal einer darüber nachgedacht wie viele verletzungen - Knochenbrüche usw. beim Fußball vorkommen? Wie viele der “Idole” der Nation wegen Unsportlichkeiten vom Platz gestellt werden? Bei manchen Zweikämpfen kann man sicher von versuchter Körperverletzung sprechen. Wollen wir Fußball nicht auch verbieten?
Mrz 1st, 2008 @ 23:18
Das Schubladen denken ist wohl weitverbreiteter als man denkt. Ein Beispiel ist diese Kommentarhistorie. Nach dem Fussballbund sind die Schützen die größte Gruppierung - somit müssten laut diesen Kommentaren 1,5 mio. Deutsche Killer sein???
Ich als Sportschütze und lizensierter Trainer (sowas was viele Fußballvereine nicht haben) heiße den Vorschlag auch nicht gut. Warum? Die armen Lehrer sind bereits jetzt überfordert und dieses “neue Fach” würde aufgrund der Komplexität das Ganze sprengen. Eine erfahrene Person, wie sie in den meisten Vereinen zu finden ist, ist Voraussetzung.
Eine wasserdichte Studie beweist, dass die Konzentrationsfähigkeit bei Sportarten wie dem Schießen nachweislich steigt. Das kann in Zeiten der PISA-Studien doch nur helfen, oder?
Auch die Sicherheitsaspekt kommt sicher nicht zu kurz. Darüber hinaus ist das Verletzungsrisiko äußerst gering. Auch das (körperschädliche) Doping ist so gut wie nicht vorhanden!
Wenn man die Schule sicherer machen möchte, schlage ich den Kochunterricht auch zu verbieten - schliesslich fallen die meisten Messer (Klinge >5cm) wie die Gewehre und Pistolen unter das Waffengesetz…