Die Propaganda der Firma Pan Amp

Über die Verbindungen der Filter-Firma Pan Amp mit der Panorama-Redaktion berichtet Telepolis ausführlich: Panorama, “Killerspiele” und die Filter-Firma. Demnach gab es bereits zum vierten Mal innerhalb der letzten zwei Jahren für die Firma Promotion-Beiträge bei Panorama. Was für ein “investigatives Magazin” in der öffentlich-rechtlichen ARD ein paar Mal zuviel sein dürfte.

Deutlich wird, dass wesentliche Inhalte der Sendung vom 22.2. von der Firma Pan Amp beigesteuert wurden. So wurde von der Firma eine Zählung von Online-Spielern sog. “Killerspiele”, nach eigenen Angaben “im Auftrag einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt” durchgeführt. Vorstand Bert Weingarten selbst trat in längeren Interview-Passagen als “Experte” auf; tatsächlich verfügt er lediglich über technische Internetkenntnisse; psychologische oder pädagogische Qualifikationen sind nicht bekannt. Die Firma Pan Amp brachte Inhalte für das Umfeld des Spiels “Call of Duty”, sowie den Aspekt, dass Modifikationen des Spiels zwecks historischer Authentizität auch NS-Symbolik einbringen. Statistische Erhebungen und längerfristige Recherchen im Internet kosten Sender Geld und Journalisten Arbeit. Da ist es ein merkwürdiger Zufall, dass eine Privatfirma Statistiken und Untersuchungsergebnisse beisteuert und die Sendungen stets eine der Firma zuträgliche Tendenz haben.
[...]
Was Weingarten mit seiner Firma den Politikern nahezulegen sucht, findet sich im Schlusssatz seiner “Killerspiele”-Meldung vom 26.2.2007 kurz und bündig zusammen gefasst: “Jeder Innenminister, der Killerspiele nicht unmittelbar in die rechtlichen Schranken verweist, versündigt sich [...] an der kulturellen Harmonie in Europa”. Kulturelle Harmonie also, nach dem Gutdünken von Politikern und Sittenwächtern, unter massiver Beschneidung individueller Freiheit und Zensur! Eine Formulierung, die an Ideologien totalitärer Staaten erinnert.

Da finden sich einige interessante Details in dem lesenswerten Artikel.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein, Deutschland, Digital Rights, Informationstechnologie, Jugendschutz?, Netzpolitik. Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Markus Beckedahl, Netzpolitik.org.

6 Kommentare

  1. linus
    Erstellt am 1. März 2007 um 17:25 | Permanent-Link

    bin mal dem link von tp auf ksta gefolgt. weingarten sollte dringenst zum psychologen. der typ ist ja brandgefährlich. aber das kennt man ja, dass die labilsten leute an den falschen positionen sind.

    und ich dachte ich bin paranoid :)

  2. ninjaturkey
    Erstellt am 2. März 2007 um 08:58 | Permanent-Link

    Wenn man Herrn Weingartens Definition von “Killerspielen” folgt, dann müsste jeder Kriminal-, und Kriegsfilm ein “Killerfilm” und sämtliche Bücher von Mankell bis King “Killerbücher” sein. Aber in Zeiten, in denen Sportler und Schauspieler ernsthaft zu politischen und gesellschaftlichen Fragen interviewt werden, bekommt wohl auch ein “IT-Sicherheitsexperte” für seine Stammtischweisheiten ein öffentlich-rechtliches Forum.

  3. Anonymous
    Erstellt am 3. März 2007 um 15:56 | Permanent-Link

    Pan Amp ist doch gar keine richtige IT-Sicherheitsfirma. Was hat denn Zensur mit IT-Sicherheit zu tun? Echte Firmen aus dem Bereich entwickeln Firewalls, Antivirenprogramme oder Verschlüsselungssoftware aber keine Contentfilter. Mit IT-Sicherheit hat das ganze absolut nichts zu tun. Und man sollte sich wirklich mal die Pressemitteilungen auf der Website angucken, da frag ich mich langsam mal wirklich was gefährlich ist, sicherlich nicht die Spiele oder Spieler. Was da gefordert wird ist schlimmste Zensur.
    Außerdem ist die Logik völlig fehlerhaft, wie steht es so schön auf der Pan Amp Website zur Definition von “Killerspielen”:
    >>Die Definierung leistete der IT-Sicherheitsexperte, Bert Weingarten:
    Killerspiele beinhalten die Jagd und das Töten von Menschen oder menschenähnlichen Avataren in mehrdimensionalen Welten.kill ja auch verbieten (an killall will ich gar nicht denken), da werden ja die armen Prozesse “getötet”.
    Und überhaupt muss man Computer generell verbieten, man kann nämlich ganz einfach verfassungsfeindliche Symbole darauf darstellen (z.B. als Dektophintergrund), aber vielleicht reicht es ja wenn ab sofort jede Software mit einem Filter gegen sowas ausgestattet sein muss.

  4. Maik
    Erstellt am 21. März 2007 um 15:46 | Permanent-Link

    Panorama und Killerspiele gehen anscheinend erstmal nicht mehr, daher holt Pan Amp die Terroristen aus der Mottenkiste und kippt die billige Propaganda heute in der Netzzeitung ab.

    Besonders schön:

    Ein Straftatbestand für derlei Machenschaften fehle.

    Machenschaften wie…als Provider Dateien auf Webservern hosten.

  5. Martina
    Erstellt am 22. März 2007 um 15:07 | Permanent-Link

    Tja, ein altes Rittergeschlecht nimmt halt seine Aufgabe noch ernst und versucht uns vor den Bösen zu schützen. Passen tut der Satz aus dem Artikel des KSTA:”Seit acht Jahren lebt Weingarten praktisch in einer anderen Welt. Und wenn er dort etwas entdeckt, was die reale Welt gefährden könnte, gibt er es auch an den Verfassungsschutz weiter.” Ich sollte meine Fantasieerlebnisse auch demnächst mal dem Verfassungsschutz melden.

  6. Walter Herbst
    Erstellt am 23. August 2007 um 23:27 | Permanent-Link

    Man müsste prüfen, ob Franco Frattini (EU) mit wirren Menschen wie Bert Weingarten (KSta: “aus einer anderen Welt”) zusammengluckt. Wer sonst soll beauftragt werden, die bösen Anleitungen alle zu finden?

5 Trackbacks

  1. [...] nachtrag: und als ob das alles noch nicht genug gewesen wäre, scheint die Firma Pan-Amp auch noch ein Rolle in diesem Beitrag zu spielen, die mich die Augen reiben lässt. (Gefunden via netzpolitik.org) Wie im Fernsehen, so im Hörfunk: Das Schneiden des Beitrags ist heikel und die Grenze zwischen Wahrhaftigkeit und Entstellung schmal; und anders geschnitten, prägnanter, dramatisierender, ist ein Beitrag schnell – manchmal auch tendenziös auf platteste Weise … [zurück]Beides besitzt die ARD und wohl auch die Panorama-Redaktion bereits. Nur ist es auch nicht unbekannt, dass solche Bücher gerne in unteren Schubladen und Regalfächern verstauben. [zurück] [...]

  2. [...] wurde bekannt, dass einige Inhalte der Sendung vom Unternehmen Pan Amp stammen. Das Unternehmen stellt Internet-Filter-Software her, unter anderem einen ‘Ego-Shooter-Filter’.berichtet, dass das Unternehmen in den letzten zwei Jahren vier Mal mit Panorama zusammen gearbeitet haben soll. Das ist schon höchst suspekt. Lesezeichen setzen! Diese Icons verzweigen aufNetzwerke bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilenkönnen. [...]

  3. Von Bert Weingarten und Panorama « Zappis Welt am 1. März 2007 um 23:58

    [...] Via Netzpolitik bin ich auf den sehr guten Beitrag von Bastian Birke bei Telopolis gekommen, in dem sich Herr Birke mit den Machenschaften der Firma Pan Amp auseinandersetzt, und sich dabei ganz speziell mit den Verbindungen zwischen Pan Amp und Panorama vom NDR auseinandersetzt. Bei den Recherchen zu den Beitrag hat er insgesamt vier Beiträge von Panorama gefunden, in denen die IT Sicherheitsfirma Pan Amp mit ihren Vorstand Bert Weingarten super günstig Werbezeit bekam, und mit irgendwelchen abstrusen Behauptungen versucht wurde Werbung für seine Filterprodukte zu machen. Diese Beiträge wurden übrigens alle von Thomas Berndt produziert. Dazu gibt es auch Neuigkeiten aus dem NDR Forum. Bei der Stellungnahme von Panorama sind einige Punkte hinzugefügt worden. Interessant ist iher der Punkt 8: 8. Bert Weingarten in diesem Zusammenhang zu interviewen, halten wir für völlig legitim. Er ist als Fachreferent auf zahlreichen internationalen und nationalen Kongressen zum Thema Internetsicherheit geladen. Zu den Zuhörern gehörten u.a. Kriminalisten, Innenminister und zahlreiche Journalisten. Zudem zitieren auch zahlreiche Printmedien Weingarten als IT-Experten (u.a. „Süddeutsche Ztg.“ vom 11.1.07, „Berliner Ztg.“ vom 13.02.07 oder „die tageszeitung“ TAZ vom 25.11.06). Wir halten in diesem Zusammenhang den Vorwurf, Weingarten ein unzulässiges „Forum für seine wirtschaftlichen Interessen“ geboten zu haben, für nicht gerechtfertigt. Wir haben an keiner Stelle des Beitrags über irgendwelche Produkte der Internetsicherheitsfirma berichtet. Auch den Firmennamen „Pan Amp“ haben wir nicht im Kommentartext erwähnt, sondern nur kurz im Insert aufgeführt. Es ging uns ausschließlich um Weingartens Einschätzung. [...]

  4. [...] bezeichnen und mal wieder den “IT-Sicherheitsexperten” und Propaganda-Menschen Bert Weingarten von PanAmp zu seiner Filtersoftware zu Wort kommen lassen. Der BEitrag trägt daher auch den Titel [...]

  5. [...] erstellt”. In der Pressemitteilung ist mal wieder fast alles eingebaut, was zur Pan-Amp Propaganda gehört. Mehr als “509.421 detektierte Sprengstoff- und Bombenbauanleitungen” habe [...]

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