Verlagsbranche dreht durch

Die Verlagsbranche zeigt mal wieder eindrucksvoll, wie man im politischen Lobbying den grössten Schwachsinn behaupten kann. Und zwar hat man jetzt das Buch “Urheberrecht für Dummies” heraus gebracht. Dieses “soll in die Materie einzuführen und eine Grundlage für den bundesweiten Protest der Branche bieten”.

Und nun schaut man sich mal die Begründung an:

Die Eile hat seinen Grund. Noch bis zum Jahresende möchte Justitzministerin Brigitte Zypries das neue Urheberrecht durchpeitschen. Sollte es in seiner bisherigen Fassung Gesetz werden, hätten in seiner zu Ende gedachten Konsequenz weder Buchhändler noch Verlage mehr etwas zu verkaufen und Autoren nichts mehr zu verdienen.

Geht es nur mir so, dass ich das Gefühl habe, irgendwas verpasst zu haben? Von welcher Urheberrechtsgesetzgebung redet denn hier die Verlagslobby?

5000 Exemplare sollen auf der Buchmesse kostenlos verteilt werden. Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand ein Exemplar zukommen lassen könnte.

Update: Jetzt auch bei “Was war. Was wird.” auf Heise.

Passend zur Messe gibt es auch eine Aktion der Verleger, die den “weltweit schnellsten Dummie aller Zeiten” geschrieben haben, nämlich Urheberrecht for Dummies. In ihm heißt es hysterisch zu dem neuen, die Privatkopie abwürgenden Urheberrecht in Verkennung der Tatsachen: “Sollte es in seiner bisherigen Fassung Gesetz werden, hätten in seiner zu Ende gedachten Konsequenz weder Buchhändler noch Verlage mehr etwas zu verkaufen und Autoren nichts mehr zu verdienen.” Beim weltweit schnellsten Dummie hatte das Hirn der Verfasser wohl Schwierigkeiten, die Finger zu kontrollieren und den aktuellen Stand der Novelle zu registrieren.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein, Deutschland, Digitalkultur, Urheberrecht und getagged , , , , . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Markus Beckedahl, Netzpolitik.org.

7 Kommentare

  1. Erstellt am 30. September 2006 um 18:18 | Permanent-Link

    Das ist aber auch mein Eindruck – Von der anderen Seite her wird mindestens genauso laut gejammert wie bei uns. Alle sehen die Welt untergehen, und in der Mitte steht Justizministerin Zypries und soll das Boot irgendwie auf Kurs halten. Sicher kein leichter Job :-).

  2. Erstellt am 30. September 2006 um 21:08 | Permanent-Link

    Nur dass die “andere Seite” scheinbar ne ganze Menge finanzielle Ressourcen hat und diese gezielt für Öffentlichkeitsarbeit und Lobbyismus ausgibt. Das kann die Lautstärke des Jammerns in unserer medial beeinflussten Welt erheblich verstärken…

  3. Erstellt am 30. September 2006 um 22:40 | Permanent-Link

    Wir hatten ja auf dem grünen Zukunftskongress eine Podiumsdiskussion zu Open Access und UrhG in der Wissensgesellschaft — und auch da fand ich den Vertreter der Verlagsseite (Börsenverein) nicht unbedingt überzeugend. Es gibt ein ausführliches Protokoll, haben wir aber noch nicht online gestellt.

  4. markus
    Erstellt am 1. Oktober 2006 um 02:00 | Permanent-Link

    @ Simon: Die andere Seite wird dafür bezahlt, egal bei welchem Ergebniss zu jammern. Zypries hat da eher den bequemen Job, allen anderen die Schuld ihrer Entscheidung zuzuschieben.

    @ Till: Auf das Protokoll bin ich gespannt, schick es mir mal zu, sobald es da ist.

  5. Kurt
    Erstellt am 1. Oktober 2006 um 11:48 | Permanent-Link

    “Jeder ist eingeladen, den Dummie an seinem Stand auszulegen. 5000 Stück stehen am BuchMarkt Stand bereit. Einfach abholen und verteilen.”

    Denke das sollten wir machen – das Abholen jedenfalls …

  6. DieterK
    Erstellt am 2. Oktober 2006 um 07:57 | Permanent-Link

    @Simon (1):
    Als “Jammern” sind die unkoordinierten Einzelaktionen von Verbraucherschützern und (wenigen) Kreativen treffend charakterisiert.

    Der Vergleich mit der “Gegenseite” ist allerdings völlig daneben. Die Industrie betreibte (seit Jahrzehnten!) eine ganz klar strukturierte Kampagne. Deren Erfolg ist in den entsprechenden Gesetzestexten (im wahrsten Sinne des Wortes) eingeschrieben.

    Und kein “Mitleid” mit Politikern. Eine ausgewiesene Fachfrau wie die Justizministerin weiß ganz genau, was für einen Unsinn sie erzählt, zum Beispiel in Bezug auf Privatkopien und die Kriminalisierung von Schulhöfen, die angeblich nicht stattfindet.

    Bei Aussagen von vielen anderen Politikern, zum Beispiel des Kulturstaatsministers, der “Ideen” (!!!) schützen will, fragt man sich, wie sie in ihre Positionen gekommen sind …

    Was steht eigentlich in dem Brief von C.H.Beck, den viele Wissenschaftler unterzeichnet haben?

  7. Erstellt am 4. Oktober 2006 um 09:43 | Permanent-Link

    Zur Verlagsbranche habe ich in der Telepolis von heute noch einen aufschlussreichen Artikel gefunden:

    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23328/1.html

Ein Trackback

  1. [...] ist Viley ja ein sympathischer Verlag mit vielen guten Produkten. Schon vor 4 Jahren machte man sich aber zum Sprachrohr der Verlagslobby und ihrem Börsenverein. Damals gaben Buchmarkt und Viley ein Büchlein “Urheberrecht für [...]

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