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Freitag, 24. November 2006

Kosten und Nutzen der elektronischen Gesundheitskarte

Bei der Gesundheitskarte kann eigentlich nichts mehr schief gehen, da die Kanzlerin von den Lobbyisten darüber aufgeklärt wurde:

Inmitten der weiter laufenden Auseinandersetzungen zur Gesundheitsreform hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel am gestrigen Mittwochabend über die Fortschritte bei der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) informieren lassen. Spitzenvertreter der Ärzte, Krankenkassen und der Hersteller von IT-Lösungen versicherten Merkel, dass die Einführung der Karte die Qualität und Wirtschaftlichkeit des Gesundheitswesens verbessern werde. In der Mitteilung zum Informationsabend in kleiner Runde heißt es außerdem: “Mit der erfolgreichen Umsetzung des größten IT-Projektes im Gesundheitswesen werden für die deutschen Unternehmen im internationalen Wettbewerb Perspektiven geschaffen, die aktiv dazu beitragen, Arbeitsplätze zu sichern und auszubauen.”

Oder etwa doch? Dem Chaos Computer Club ist eine interne Kosten-Nutzen-Analyse zur elektronischen Gesundheitskarte zugespielt worden. Erstellt wurde die Analyse von Booz-Allen-Hamilton im Auftrag der Firma gematik, die das Projekt durchführen wird.

In bester Tradition staatlicher Software-Großprojekte wird hier sehenden Auges ein weiteres extrem kostenträchtiges Prestigeprojekt angegangen, dessen Nutzen in keinem sinnvollen Verhältnis zu den Risiken und absehbaren Problemen steht. Eine erste Sichtung der Daten deutet auf eine massive Kostenexplosion bei der Einführung der Gesundheitskarte und ein weiteres Technologie-Desaster hin. Die Sicherheits- und Zuverlässigkeitsauslegung der Software-Architektur der elektronischen Gesundheitskarte genügen den Anforderungen an ein bundesweit ganztägig im Einsatz befindliches System in keiner Weise. Im Ernstfall droht ein Totalausfall des Systems zu kritischen Zeiten, wie z. B. im Fall einer Grippeepidemie.

Das Dokument findet sich hier als PDF.

Siehe auch: Elektronische Gesundheitskarte: Fast kostenlose Karten?

4 Kommentare

  1. Thomas am 24.11.2006 um 13:40 (Antworten)

    “Mit der erfolgreichen Umsetzung des größten IT-Projektes im Gesundheitswesen werden für die deutschen Unternehmen im internationalen Wettbewerb Perspektiven geschaffen, die aktiv dazu beitragen, Arbeitsplätze zu sichern und auszubauen.”

    Ich hätte jetzt eigentlich erwartet (gutgläubig wie ich nun mal bin), das “mit der erfolgreichen Umsetzung…” Erleichterungen für den Patienten, Kostenreduzierungen im Gesundheitswesen ja vielleicht sogar Beitragssenkungen verbunden wären.
    Aber da bin ich ja mal wieder hoffnungslos desillusioniert worden.
    Man merkt gleich, welch geistes Kind unsere politische Führung ist und wer sie steuert. :(

  2. [...] Nach meinem kurzen Besuch auf dem dresdner Datenspuren-Symposium im Frühjahr habe ich nicht gerade ein gutes Gefühl, was den Inhalt des folgenden Dokumentes angeht: Kosten-Nutzen-Analyse zur Gesundheitskarte (via). [...]

  3. Carsten 'cra' am 25.11.2006 um 22:09 (Antworten)

    Alles schon bekannt: in die Nutzen-Analyse wird auch die Mehrfachverwendung der Daten einfließen: Wiefelspütz erkennt Terroristen an Karies. :(

  4. [...] Dem Chaos Computer Club wurde eine interne Kosten-Nutzen-Analyse zur elektronischen Gesundheitskarte zugespielt. Erstellt wurde die Analyse von Booz-Allen-Hamilton im Auftrag der Firma gematik, die das Projekt durchführen wird. [...]

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