Brenner Studie 2006

Die Filmförderungsanstalt hat mal wieder eine Brenner-Studie veröffentlicht. Die Studie hat für die Filmindustrie das Ziel, eine Grundlage zu schaffen, “um gemeinsam mit der Politik und der Branche weiter gezielte Gegenmaßnahmen zu formulieren”. Während die Pressemeldung “Bedrohung durch digitalen Diebstahl nimmt weiter zu” titelt, meldet die Tagesschau: “Raubkopieren wird zum Breitensport“.

Ein paar Highlights: Die Hälfte der Bevölkerung besitzt mittlerweile einen CD-Brenner. Der typische Kopierer soll männlich und zwischen 20-29 Jahre alt sein. Erfreulich ist, dass die Generation 50plus den Anschluss ans digitale Zeitalter zu finden scheint. (Die Verfasser der Studie werden dies anders sehen) Die Download-Aktivitäten dieser Zielgruppe hat um 180 % zugenommen. Mit dieser Steigerung haben die älteren Mitbürger sogar noch die 10-19 jährigen überholt. Panik ist also angesagt, die Menschen interessieren sich für digitale Kultur, nutzen exzessiv Informationstechnologien und der Untergang des Abendlandes steht bevor.

Explizit betont die Studie:

Auf die Frage: „legales oder illegales Brennen?“, kann die aktuelle Brennerstudie keine eindeutige Antwort geben. Die technischen Möglichkeiten, Inhalte legal zu brennen, haben sich seit 2004 deutlich verändert und die bestehende Gesetzeslage lässt sich nicht in jedem Fall mit verlässlicher Sicherheit auf die erhobenen Daten anwenden.

Die technischen Möglichkeiten, Inhalte legal zu brennen haben sich seit 2004 deutlich verändert. Gesetzesänderungen im Urheberrecht haben die private Kopie bei Umgehung eines Kopierschutzes rechtlich untersagt. Zu einer Veränderung des Verbraucher-Verhaltens hat dies offensichtlich nicht geführt. Jetzt wird die Filmindustrie diese Studie dazu verwenden, bei Politikern und Medien Stimmung für eine Kriminalisierung der Verbraucher zu machen. Und sie werden vermutlich Erfolg haben. Diese Studie zeigt aber, dass neue Wege gesucht werden müssen, Lösungen ohne eine Kriminalisierung zu finden und gleichzeitig Wege, Kreative in einer veränderten und digitalen Welt für ihre Arbeit zu kompensieren. Man schaue sich nur mal die Zahlen an, eine Massenkriminalisierung breiter Bevölkerungsschichten kann ja nicht das Interesse der Regierung sein. Und eine Lösung ist sie schon gar nicht.

Eine weitere Erkenntnis der Studie:

Die Bekanntheit der Kampagne „Raubkopierer sind Verbrecher“ konnte innerhalb eines Jahres gegenüber Juli 2004 von 18 auf 31 Prozent deutlich gesteigert werden. In der Kernzielgruppe 20 bis 29 Jahre liegt der Wert sogar bei 64 Prozent. Den höchsten Erinnerungswert der Kampagne haben die Werbespots im Kino, im Fernsehen und auf DVD / VHS. Bei allen Kampagnenkennern ist das Unrechtsbewusstsein deutlich stärker ausgeprägt.

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4 Kommentare

  1. Erstellt am 31. Januar 2006 um 23:13 | Permanent-Link

    sogar bei 64 Prozent. Den höchsten Erinnerungswert der Kampagne haben die Werbespots im Kino, im Fernsehen und auf DVD / VHS. Bei allen Kampagnenkennern ist das Unrechtsbewusstsein deutlich stärker ausgeprägt.

    Ich habe eh das Gefühl, dass man sich nur über die Kampaigne Lustig macht und nicht wirklich ein Unrechtsbewusstsein gestärkt wird. Vor allem bei den Jugendlichen ist es so. Ich denke diese Kampagne keines Wegs erfolgreich. Und vieleicht auch nicht sinnvoll(?)…

  2. Erstellt am 1. Februar 2006 um 00:18 | Permanent-Link

    Interessantes Detail:

    Die Statistik gibt für 2005 an, dass gerade 10 Prozent aus ‘offensichtlich illegalen’ Quellen kommen:
    “Die Haupt-Bezugsquelle kopierter Filme sind physische Träger (Originale und Kopien), die überwiegend von Freunden/ Bekannten/Verwandten/Kollegen ausgeliehen wurden sowie Aufnahmen aus dem Fernsehen.”
    Scheinbar sind sich die Verbraucher der Idee der Privatkopie sehr bewusst.

    Lustig auch
    “Das Herunterladen aktueller Spiel-/Kinofilme aus dem Internet” und “Das Herunterladen von Spiel-/Kinofilmen in Peer-to- Peer Netzen / kostenlose Internet” halten 2005 mehr Befragte für legal als noch 2004. Offensichtlich ist da mächtig was schief gelaufen in der Außenkommunikation der Unterhaltungsindustrie..

  3. markus
    Erstellt am 1. Februar 2006 um 00:53 | Permanent-Link

    @ Frank:

    Danke für das Zitat. Scheint tatsächlich was schief gelaufen zu sein.

  4. Mark Wolf
    Erstellt am 1. Februar 2006 um 08:00 | Permanent-Link

    Unzulässige Verknüpfung:

    Warum heißt die Untersuchung eigentlich Brennerstudie? Es soll wohl die verbindung hergestellt werden, daß wer einen Brenner besitzt, kriminell gegen das Urheberrecht verstößt.

    Ich habe seit vielen Jahren einen CD und Zugang zu einem DVD Brenner und damit außer einigen wenigen Audio CDs fürs Audioradio zum runterschrammeln noch keine urheberrechtlichen Werke verfielfältigt, schon gar nicht rechtswidrig.

    Was soll ich auch mit all den unbrauchbaren und kulturell wertlosen Inhalten der letzten Jahre. Alles Müll.

Ein Trackback

  1. [...] weiter zu” titelt, meldet die Tagesschau: “Raubkopieren wird zum Breitensport“. komplett bei netzpolitik.org (heise.de hat nun auch einen [...]

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